Publiziert 07. Okt. 2022, 09:31
8400

Erste Massnahmen

So will Winterthur Energie sparen

Der Winterthurer Stadtrat stellt die ersten Massnahmenbündel vor, um Energie zu sparen. Einige davon wurden bereits umgesetzt.

r
red
Winterthur will mit verschiedenen Massnahmen Energie sparen.

Winterthur will mit verschiedenen Massnahmen Energie sparen.
George Stutz

Der Schweiz droht in diesem Herbst und Winter eine Energiemangellage. Damit diese möglichst vermieden werden kann, müssen alle einen Beitrag an die Einsparung von Energie leisten. Der Bund hat deshalb kürzlich eine Sensibilisierungskampagne zum freiwilligen Energiesparen lanciert, die der Winterthurer Stadtrat unterstützt.

Ein erstes Massnahmenbündel wurde bereits umgesetzt, ein weiteres wird in den nächsten Tagen realisiert. Mit diesen ersten Sofortmassnahmen will der Stadtrat nicht nur Energie einsparen, sondern auch als Vorbild für Bevölkerung und Wirtschaft wirken, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Einzelne Massnahmen würden zwar nur wenig Energie einsparen, hätten jedoch eine Aussenwirkung: «Sie sollen dadurch die Winterthurerinnen und Winterthurer motivieren, ihrerseits Energie einzusparen, denn jede eingesparte Kilowattstunde Energie zählt.»

Bereits umgesetzte Energiesparmassnahmen

  • Eishalle: Für die Eisbearbeitung wird in der Eissportanlage Deutweg ein neues System zur Eisaufbereitung eingesetzt. Die neue Technik entfernt die Luftblasen aus dem Wasser, das zur Eisaufbereitung verwendet wird. Dadurch wird das Eis kompakter, härter und klarer. Zudem muss dadurch die Kälteplatte weniger gekühlt werden, da Wasser ohne Luftblasen besser gefriert. Die Eisstärke wird um einen Zentimeter reduziert. Einsparung: 3000 bis 5000 kWh pro Monat an Strom.
  • Krematorium: Das Krematorium auf dem Friedhof Rosenberg ist eine der modernsten Anlagen der Schweiz und verfügt über zwei Ofenlinien, die mit Gas beheizt werden. Stadtgrün hat die Verfahren und Betriebszeiten des Krematoriums angepasst, sodass nur noch eine Ofenlinie benötigt wird. Infolgedessen werden Kremationen zwischen 5 Uhr und 22 Uhr statt zwischen 6 Uhr und 18 Uhr durchgeführt. Einsparung: rund ein Drittel des Gasverbrauchs des Krematoriums.
  • Fernwärme: Die Abwärme der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) speist die Fernwärmeversorgung. Um an kalten Tagen im Winter die Verbrauchsspitzen zu decken oder bei einem Ausfall der KVA aufgrund von Störungen oder Revisionen die Wärmeversorgung aufrechtzuerhalten, verfügt die Fernwärmeversorgung über je einen Heizkessel, der mit Gas beziehungsweise mit Öl betrieben wird. Aus ökologischen Gründen wird in diesen Fällen in der Regel vor allem Gas eingesetzt. Am 23. September hat der Bundesrat empfohlen, Zweistoffanlagen, die mit Gas oder Öl betrieben werden können, ab dem 1. Oktober auf Ölbetrieb umzustellen. Dies soll zum freiwilligen Gas-Sparziel des Bundes von 15 Prozent beitragen. Stadtwerk Winterthur wird deshalb zur Spitzendeckung und bei einem allfälligen Ausfall der KVA als Wärmelieferantin die Wärmeversorgung nur noch mittels Öl sicherstellen. Sollte es beim Nachschub an Öl zu Engpässen kommen, kann Stadtwerk Winterthur jederzeit wieder auf Gas zur Sicherstellung der Wärmeversorgung umstellen. Einsparung: Der Gasverbrauch zur Sicherstellung der Wärmeversorgung ist abhängig von der Verfügbarkeit der KVA und der Höhe der Aussentemperaturen. Es ist daher nicht möglich, die eingesparte Menge Gas vorauszusagen. Die Verbrennung von Gas stösst weniger CO2 aus als Öl. Infolgedessen wird sich der CO2-Ausstoss der Fernwärme durch die Verwendung von Öl erhöhen.

Energiesparmassnahmen, die sofort umgesetzt werden

  • Öffentliche Beleuchtung: Verschiedene Wahrzeichen der Stadt Winterthur werden nachts speziell beleuchtet. Diese Anstrahlbeleuchtung soll ab sofort ausgeschaltet werden. Es handelt sich dabei um: Stadthaus, Hauptbahnhof, Hauptpost, Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, Kunstmuseum, Storchenbrücke, Denkmal Jonas Furrer, Altstadtschulhaus und katholische Kirche St. Peter und Paul. Ebenfalls wird auf die Festbeleuchtung verzichtet, mit der an speziellen Festtagen, unter anderem am Albanifest, die Kirchen Winterthurs beleuchtet werden. Es handelt sich dabei um die Stadtkirche sowie die reformierten Kirchen Seen, Wülflingen, Veltheim, Töss und Oberwinterthur. Einsparung: Insgesamt rund 1600 kWh Strom pro Monat.
  • Wasserversorgung: Brunnen, die nicht für die Beprobung der Wasserqualität genutzt werden oder als Frostschutzmassnahme Wasser benötigen (zum Beispiel Justitia-Brunnen), werden bis am 30. April nächsten Jahres ausser Betrieb genommen. Einsparungen ergeben sich unter anderem durch die im Zirkulationsverfahren betriebenen Brunnen (Stadthausbrunnen, Juddbrunnen, Brunnenanlage Graben). Einsparung: rund 8500 kWh Strom pro Monat.
  • Städtische Verwaltungsgebäude: Die städtischen Verwaltungsgebäude werden in der Heizperiode 2022/2023 auf maximal 20 Grad beheizt. Ausgenommen davon sind Schulen und Altersheime. Damit folgt die Stadt Winterthur auf dem eingeschlagenen Weg von Bund und Kanton. Einsparung: rund 350 000 kWh (vor allem Fern- und Quartierwärme sowie Gas).

Weitere Massnahmen der Stadtverwaltung, die unter anderem auch Auswirkungen auf die Leistungserbringung gegenüber der Bevölkerung haben, sind gemäss Mitteilung des Stadtrats in Prüfung und werden frühestens im November kommuniziert. Die städtischen Fachleute seien zudem daran, Massnahmen zu evaluieren, die im Falle einer durch den Bund angeordneten Energiekontingentierung zur Anwendung kommen könnten.

Das könnte Sie auch interessieren