Publiziert 11. Juli 2022, 09:33
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Abwasserreinigungsanlage Winterthur

5,5 Millionen für fünfte Reinigungsstufe

Die Abwasserreinigungsanlage in Winterthur wird in verschiedenen Grossprojekten umgebaut und erneuert. Für eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen sowie die Erneuerung der Biologie- und der Filtrationsstufen hat der Stadtrat einen Kredit von 5,5 Millionen freigegeben.

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red
Über mehrere Jahrzehnte wird die Abwasserreinigungsanlage in Winterthur umgebaut und erneuert.

Über mehrere Jahrzehnte wird die Abwasserreinigungsanlage in Winterthur umgebaut und erneuert.
Stadtwerk Winterthur

Nicht nur das Abwasser aus den Quartieren von Winterthur wird in der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in der Hard gereinigt. Auch das Abwasser vieler Nachbargesmeinden – Bertschikon, Brütten, Kyburg, Turbenthal, Weisslingen, Wiesendangen, Wila und Zell sowie teilweise von Elsau, Fischingen, Sternenberg und Wildberg – wird hier verarbeitet. So gelangt insgesamt Haushaltsabwasser von über 130’000 Menschen aus dem Einzugsgebiet Winterthur und Umgebung in die Kläranlage in der Hard, hinzu kommt Abwasser aus gewerblichen und industriellen Betrieben sowie abgeleitetes Regenwasser von Strassen und Plätzen.

Die sich laufend verschärfende Gewässerschutzgesetzgebung, die Weiterentwicklung der Technik und der altersbedingte Ersatz gewisser Anlageteile würden hohe Investitionen in die ARA verlangen, wie Stadtwerk Winterthur in einer Medienmitteilung schreibt. Im Zentrum würden die Werterhaltung der Anlage, betriebliche Verbesserungen und zusätzliche Massnahmen zum Grundwasserschutz stehen. Somit seien in den nächsten Jahrzehnten verschiedene Grossprojekte vorgesehen, die in Etappen, eng aufeinander abgestimmt und unter Vollbetrieb erfolgen müssten.

Obwohl die Bautätigkeit teilweise erst Mitte der 2030er Jahre und die Inbetriebnahme der neuen Schlammbehandlung als letztes Teilprojekt erst kurz vor dem Jahr 2040 erfolgen würden, müsse aufgrund der hohen Komplexität und den langen Entscheidungswegen jetzt mit der Planung und den ersten Arbeiten begonnen werden. Ziel sei es, die Anlagenkapazität bis circa 2065 zu gewährleisten.

Zonenplanänderung notwendig

Mit dem aktuellen Beschluss hat der Stadtrat einen Kredit von 5,5 Millionen Franken für die Planung einer neuen, fünften Reinigungsstufe freigegeben, um Mikroverunreinigungen zu eliminieren. Gemäss dem medialen Schreiben können herkömmliche Abwasserreinigungsanlagen solche organischen Spurenstoffe wie beispielsweise Rückstände von Medikamenten und hormonaktiven Substanzen nicht oder nur teilweise entfernen. Der Neubau sei notwendig, weil es sich um eine gesetzliche Vorgabe des Bundes handle, der 75 Prozent der Erstinvestitionen für diese Reinigungsstufe mittels einer gesamtschweizerischen Abwasserabgabe finanziere.

Im erweiterten Vorprojekt der Winterthurer ARA für die neue zusätzliche Reinigungsstufe habe sich das Verfahren mit granulierter Aktivkohle durchgesetzt. «Zur Umsetzung dieses Verfahrens ist ein Neubau innerhalb der Parzelle der ARA – jedoch ausserhalb der Zone für öffentliche Bauten – notwendig», heisst es in der städtischen Mitteilung weiter. Eine Zonenplanänderung werde deshalb derzeit zusammen mit dem Departement Bau vorbereitet.

Filtration wird vergrössert

Die Reinigungsstufen «Biologie» und «Filtration» müssen ebenfalls erneuert werden, weil der Kanton Zürich vorgibt, dass die Reinigungsleistung der Stufe Biologie für die Elimination von Nitrat auf 70 Prozent zu erhöhen ist. Dafür müssen die teilweise mehr als fünfzigjährigen Biologie- und Nachklärbecken in Winterthur umgebaut und teilweise neu erstellt werden.

Für die neue Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen seien ausserdem zusätzliche Filterbehälter erforderlich, die im heutigen Gebäude keinen Platz hätten, weshalb dieses gegen Norden vergrössert werde.

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