Publiziert 20. Jan. 2023, 06:30

Tanzstudio Borak am Swiss Dance Award

«Es gibt kein künstlerisches Ende, weder musikalisch noch tänzerisch»

Mit dem Tanzstudio Borak ist auch eine Winterthurer Formation am Swiss Dance Award vertreten. Dieser markiert den Auftakt eines ganz besonderen Jahrs für die hiesige Tanzschule, die Mutter und Sohn gemeinsam führen.

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Ramona Kobe
Daniel Borak wurde das Tanzen in die Wiege gelegt: Auch seine Mutter war in ihrer Heimat Tschechien professionelle Tänzerin. Heute führen die beiden das eigene Studio in Winterthur.

Daniel Borak wurde das Tanzen in die Wiege gelegt: Auch seine Mutter war in ihrer Heimat Tschechien professionelle Tänzerin. Heute führen die beiden das eigene Studio in Winterthur.
Milad Ahmadvand

Wenn in Winterthur gesteppt wird, kann Daniel Borak nicht weit weg sein. Wenig überraschend also, dass er mit seiner Gruppe aus dem familieneigenen Tanzstudio am Swiss Dance Award teilnimmt, der am 28. Januar in der Axa-Arena stattfindet. Obschon der 33-Jährige an zahlreichen Meisterschaften und Festivals weltweit tanzte, ist dieser Auftritt ein besonderer. «Dass sehr viele Tanzstile zusammenkommen, Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Sparten kollaborieren und sich eine Bühne teilen, finde ich sehr wertvoll!» Gerade deshalb, weil die Stile ziemlich unterschiedlich seien. «Jede Tanzart ist ein Universum für sich», sagt Borak. «Manchmal ist man in der eigenen Bubble gefangen. Ich freue mich sehr auf den Austausch mit allen Teilnehmenden.»

Weiter sieht der Winterthurer, der in seiner Karriere bereits elf WM-Goldmedaillen holte, das Tanzspektakel als Plattform, um dem Publikum zu zeigen, wie sich der Stepptanz verändert hat. «Viele haben noch das alte, klassische Bild von Fred Astaire vor Augen.» Dabei habe sich die Kunstform enorm weiterentwickelt. Mittlerweile wird zu jedem Musikstil getanzt, auf verschiedensten Materialien gesteppt, gleichzeitig ein Instrument gespielt, mit Jonglage oder anderen Tanz- und Kunstformen fusioniert, genau nach kompositorisch festgelegten Noten getanzt oder unglaublich virtuos improvisiert oder choreografiert – die Möglichkeiten sind unendlich. «Es gibt kein künstlerisches Ende, weder musikalisch noch tänzerisch. Wir Stepptänzer bewegen uns in diesen zwei Kunstwelten hin und her.»

Daniel Borak

«Der Stepptanz hat gewonnen, nur schon weil dieser Stil dabei sein darf»

Auf jeden Fall will Borak das Publikum in der Axa-Arena zum Shaken bringen. Immerhin entscheidet dieses per Live-Voting, wer die beiden Awards gewinnt. Ob es für den Einzug in den Final oder gar für den Sieg reicht, kann der Tänzer nicht sagen. Das spiele auch kaum eine Rolle. «Die Stepptanz-Szene in der Schweiz ist nicht sehr gross; wir kennen uns alle und sind gut befreundet.» Solche Events seien daher mehr eine Art Familienfest als hart umkämpfter Wettkampf. «Der Stepptanz hat gewonnen, nur schon weil dieser Stil dabei sein darf.»

Aller Anfang ist schwer

Der Swiss Dance Award markiert den Auftakt eines besonderen Jahrs für das Tanzstudio. 1983 gegründet, feiert es bereits das 40-jährige Bestehen. Ein grosser Meilenstein, wie Daniel Borak sagt. Insbesondere für seine Mutter Liba, die bereits als 19-Jährige ihre Tanzausbildung absolvierte und daraufhin ihre professionelle Tanzkarriere acht Jahre lang am Staatstheater im tschechischen Ostrava genoss. 1981 beschloss sie jedoch, die damalige kommunistische Tschechoslowakei zu verlassen und in die Schweiz auszuwandern. Ohne Unterrichtserfahrung und kaum finanziellen Mitteln eröffnete die heute 70-Jährige ihre Schule in Wülflingen. «Die Anfänge waren extrem hart für sie», erzählt Daniel Borak, der als Fünfjähriger erstmals mit seiner heutigen Leidenschaft in Berührung kam und anschliessend Schritt für Schritt in die Fussstapfen seiner Mutter trat.

Heute führen die beiden das Tanzstudio gemeinsam. Seit den Anfängen kamen neue Räumlichkeiten in Töss und jede Menge Schülerinnen und Schüler hinzu – nicht nur Kinder. «Unsere älteste Schülerin ist 83! Und einer unserer Schüler entschied mit 60, dass er mit Steppen beginnen möchte», sagt Daniel Borak. Durch ihn wurde der Stepptanz zum Schwerpunkt der Schule. Aber auch Ballett, Jazz, Modern Dance, Hip-Hop oder Break Dance wird im Hause Borak unterrichtet. Mit eigenen Produktionen im Theater Winterthur oder im Theater am Gleis sowie Teilnahmen an Festivals, Schweizer- und Weltmeisterschaften setzt sich das Tanzstudio immer wieder neue Ziele.

Eine Show jagt die nächste

So auch dieses Jahr. Nebst den Schweizermeisterschaften am 17. und 18. Juni in der Axa-Arena nennt Daniel Borak das Winterthurer Tanzfest sowie die grosse Jubiläumsshow am 9. und 10. September im Theater Winterthur als Höhepunkte. «Das ganze Jahr durch wird immer wieder gefeiert – am 24. und 25. Juni öffnen wir zudem noch unsere Türen und organisieren Gratis-Kurse für alle», freut sich der Perkussions-Künstler. Dass der Swiss Dance Award aufgrund der Coronapandemie zweimal verschoben werden musste, spielt ihm in die Karten. «Auch dieser ist in unseren Augen eine grosse Festlichkeit.»

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