Publiziert 18. Aug. 2022, 07:58
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«RäpZäp»

Zwei Winterthurer wollen dem Schweizer Rap eine Plattform bieten

Hip-Hop ist die grosse Leidenschaft von Matteo Keller und Marco Wolfensberger. Mit «RäpZäp» haben sie ein «Movement» geschaffen, das die hiesige Rap-Szene vernetzen und neue Acts fördern soll.

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Ramona Kobe
Marco Wolfensberger (l.) und Matteo Keller investieren jede freie Minute in «RäpZäp».

Marco Wolfensberger (l.) und Matteo Keller investieren jede freie Minute in «RäpZäp».
Ramona Kobe

1991 rappte der Basler Black Tiger seine ersten Zeilen auf Mundart – und schrieb mit seinem Track «Murder by Dialect» Schweizer Musikgeschichte. Heute, über 30 Jahre später, überraschen Rap-Songs auf Schweizerdeutsch nicht mehr. Die Szene ist stetig gewachsen und erlebte einen regelrechten Aufschwung.

Mittendrin befinden sich Matteo Keller (21) und Marco Wolfensberger (21). Sie rappen, auch. In erster Linie aber wollen sie den Schweizer Hip-Hop fördern und jungen Musikschaffenden eine Plattform bieten. Aus dieser Idee entstanden ist «RäpZäp». Als Label würden es die beiden Winterthurer nicht beschreiben. «Wir sind eine Art Movement», erzählt Keller, «das Liebe verbreitet sowie Platz bietet für Musik und Kreativität.» Sein Kollege ergänzt: «Der Fokus liegt auf Hip-Hop, aber dem Output sind keine Grenzen gesetzt. Wir wollen ‹RäpZäp› auch deshalb nicht genauer definieren, damit eben alles Platz hat.»

Zweiter Event am 3. September

Auf ihrem Instagram-Kanal sorgen die beiden Freunde für Unterhaltung – indem sie ihre eigenen Texte teilen oder niederschwellige Formate für Newcomer kreieren. Letzten Oktober organisierten sie zudem ihren ersten Event. «Wir wollten ein Festival organisieren, an dem alle teilnehmen können, ob geimpft oder nicht», erklärt Wolfensberger die Idee hinter dem «Festival-Cypher». So habe jeder Act auf Instagram einen Slot bekommen, um seine Musik – in erster Linie Hip-Hop – der Community zu präsentieren. «Es war mega anstrengend», erinnert sich Keller. Der Aufwand aber habe sich gelohnt. «So konnten wir uns zum ersten Mal ins Rampenlicht rücken.»

Das positive Feedback hat «RäpZäp» motiviert, diesen Sommer einen weiteren Anlass zu schmeissen, der Schweizer Rapper zusammenbringen soll. Diesmal nicht mehr digital, sondern beim gemütlichen Grillplausch. «Wir wollen eine lockere Atmosphäre schaffen und einen ‹Vibe› generieren», sagt Marco Wolfensberger über «BBQ and BARS» vom 3. September. Das Konzept: Verschiedene Künstler performen rund fünf Minuten live im Studio, die Besucherinnen und Besucher verfolgen den Auftritt draussen auf Grossleinwand. Zudem ist ein Livestream für all jene Interessenten geplant, die es nicht auf die Gästeliste schaffen. Denn: Der Platz ist beschränkt. «Die 200 Tickets werden allesamt verlost», sagt Matteo Keller.

Geld sparen dank Connections

Die Grillade bringen die Gäste selbst mit, für Getränke, Snacks und Beilagen ist gesorgt. Und natürlich auch für den richtigen Sound – das Line-up steht bereits. Mit dabei sind auch einige bekannte Namen aus der hiesigen Rap-Szene. Pedro zum Beispiel, der an den Musikfestwochen auf der Steinberggasse spielte. Auf einen Künstler freut sich Wolfensberger ganz besonders, wie er erzählt. «Smack hat mich dazu gebracht, selbst mit dem Rappen zu beginnen.» Auch die Organisatoren werden am «BBQ and BARS» zu hören sein. Wo der Event stattfindet, bleibt ein Geheimnis. Aus einem einfachen Grund: «Wir wollen nicht überrannt werden», so Keller. «Wer ein Ticket ergattert, erfährt die Location.»

Den Anlass finanzieren die beiden komplett aus eigener Tasche. Die Kosten würden sich aber in Grenzen halten. «Wir habe mittlerweile gute Connections und einige Partner, die uns unterstützen», freut sich Matteo Keller und nennt etwa das Start-up «GITS Sauce» als Beispiel. Geld für die ganze Bühnentechnik müssten sie nur wenig ausgeben. Und das Mischpult können sie von der Kantonsschule Büelrain ausleihen, wo Marco Wolfensberger im Sommer 2021 seine Matura abschloss. «Der Vibe, den wir ausstrahlen, kommt auch wieder zurück», freut sich der 21-Jährige. «Das ist unglaublich schön.»

Grosse Pläne für die Zukunft

Auf die Frage, wie viel Umsatz sie generieren wollen, hat Wolfensberger eine klare Antwort. «Uns geht es nicht um den Gewinn – bei keiner unserer Ideen. Wir wollen zeigen, wer wir sind, was unserer Philosophie ist.» Und doch träumt er davon, in Zukunft von «RäpZäp» leben zu können. «Es wäre cool, könnten wir eines Tages eine GmbH Gründen», findet auch Keller. Seinen Alltag richtet er bereits nach seiner Leidenschaft und macht eine Weiterbildung zum Eventmanager. Ebenso will Wolfensberger nach einem Zwischenjahr Studium und Hobby wenn möglich verbinden. Bis es so weit ist, bauen sie «RäpZäp» weiterhin in ihrer Freizeit auf. Täglich verbringen sie mehrere Stunden in ihrem Studio, das auch als Büro und «Chill-out-Room» dient. Und das Platz bietet, um die eigene weiter Kreativität zu entfalten.
Ramona Kobe

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