Publiziert 28. Sep. 2022, 07:00
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Neue Konzertreihe

Wo Jazz auf Metal und jede Menge Charme trifft

Das Neuwiesenhof Theater lanciert eine neue Konzertreihe, um dem Jazz in Winterthur wieder Leben einzuhauchen. «Panzerballett» macht den Auftakt.

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red
Andres Valer (l.) hatte die Idee der neuen Konzertreihe, Michael Meier den optimalen Act für deren Auftakt.

Andres Valer (l.) hatte die Idee der neuen Konzertreihe, Michael Meier den optimalen Act für deren Auftakt.
Ramona Kobe

Wenn Jazz auf Metal trifft und auch Töne bekannter Pop- und Schlagersongs, zerschreddert und neu zusammengesetzt, ertönen, dann kann nur jemand auf der Bühne stehen: die deutsche Band Panzerballett. Zusammen mit dem legendären Schlagzeuger Virgil Donati ist das Münchener Quintett zurzeit auf grosser Europa-Tournee. Am kommenden Samstag, 1. Oktober, macht «Panzerballett» Halt in Winterthur und sorgt im Neuwiesenhof Theater für eine brachial humorvolle Horizonterweiterung, wie Veranstalter Michael Meier den Auftritt beschreibt. «Die Band selbst bezeichnet ihre Musik als ‹Wellness-Death-Jazz›. Sie musste das limitierte Genre Jazz mit Metal-Tönen erweitern, um ihren Emotionen komplett freien Lauf zu lassen.» Entsprechend breit sei das Spektrum, das vom Teenie bis hin zur Seniorin alle Altersgruppen anspreche. «Das Konzert ist für all jene, die sich trauen, sich etwas Neuem auszusetzen und das Hirn durchblasen zu lassen.»

Surfen auf rhythmischen Wellen

Das Neuwiesenhof Theater, das älteste Kulturhaus in Winterthur, wo einst Viktor Giaccobo in seine ersten Rollen als professioneller Schauspieler schlüpfte, sei dafür optimal. «Nebst viel Atmosphäre und Charme lässt der Saal Nähe und Weltklasse zum Anfassen zu», fährt Meier fort. Er spüre seit der Pandemie eine neue Bereitschaft, sowohl des Publikums als auch der Musiker, sich noch mehr aufeinander einzulassen und das Konzert zusammen zu gestalten. «Der so entstehende Raum ermöglicht den Leuten auch, auf die verschiedenen rhythmischen Wellen aufzuspringen und mitzureiten», schwärmt der Visualisierer und Graphic Recorder.

Er selbst wird am Konzert ebenfalls anwesend sein. Als Zuhörer, auch. In erster Linie aber wird er das, was auf der Bühne passiert, mit Farbe festhalten. Seine Werke − pro Song entsteht ein Bild − werden in Echtzeit auf eine Leinwand hinter die Musiker projiziert. Dadurch entstehe eine spannende Wechselwirkung, findet Andres Valer, Neuwiesenhof-Geschäftsführer, der solche sogenannten «Resonance Paintings» bereits kennt. «Erfahrungsgemäss bricht die Emotion des Saals irgendwann durch, wodurch ein prickelndes Feeling entsteht.» Michael Meier ergänzt: «Dadurch werden alle im Saal Teil von etwas, das im Moment entsteht.»

Neue Konzertreihe, um Jazz zu retten

«Panzerballett» ist der Auftakt der neuen Konzertreihe «Neuwiesenhof Jazz». «Mir fiel auf, dass der Jazz in Winterthur etwas verkrustet ist», nennt Valer die Hintergründe. «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass diese Art von Kunst und Kultur nicht verschwindet.» Mit der neuen Reihe wolle er ein regelmässiges Gefäss für Jazz-Konzerte schaffen. Und zwar handwerklich auf gutem Level; mit stimmungsvollem, szenischem Licht und einer Bühne mit professioneller Arbeitshöhe. «Darauf legen wir hier viel Wert, wie auch auf das analoge Ton-Equipment», sagt der Kulturmanager. Die nächsten Jazz-Künstler der nationalen Szene würden bereits in den Starlöchern stehen. «Im November sind vier weitere Konzerte geplant, die ich voraussichtlich unter dieser Reihe laufen lassen möchte.»

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