Publiziert 14. Juli 2022, 17:00
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«Kaschmir» bringt erste Single raus

Winterthurer Band will sich auf Mundart abheben

Die Winterthurer Musikszene ist um eine Band reicher: «Kaschmir» will mit ihrer Instrumentierung und Songtexten auf Mundart das Publikum in ihren Bann ziehen. Anfang Juli erschien die erste Single Menthol Zigarette, im Herbst soll das Album kommen.

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Ramona Kobe
Die neue Winterthurer Band «Kaschmir» – Jessie Wezel, Luca Leombruni, Philippe Mathys und Tom Marmier (von links) – will sich nicht einordnen lassen.

Die neue Winterthurer Band «Kaschmir» – Jessie Wezel, Luca Leombruni, Philippe Mathys und Tom Marmier (von links) – will sich nicht einordnen lassen.
Fotomontage: Urs Ernst Meyer / Ramona Kobe

Mal mit Mandoline und Kontrabass, mal mit Pedal-Steel-Gitarre und Schwyzerörgeli. «Kaschmir» will mit ihrer Instrumentierung vor allem eines: anders sein als die anderen. Einordnen will sich die Winterthurer Band nicht. Und auch wenn sie es probieren wollte – gelingen würde es ihr kaum. «Uns kann man nicht mit einem Wort beschreiben», erzählt Jessie Wezel. «Unsere Musik ist melancholisch, rockig angehaucht und hat Country-Einflüsse. Der Groove erinnert ein bisschen an Tarantino.» Die Texte: wortmalerisch, direkt, lasziv. Und auf Mundart. «Früher schrieb ich meine Songs auf Englisch», erzählt die Lead-Sängerin. Für eine Kollegin schrieb sie ein Stück auf Schweizerdeutsch. «Doch dieses wurde abgeschmettert. Es war zu heftig.»

Ihr selbst aber hat es gefallen. So probierte sie weiter und spielte den Song im Duo – zusammen mit Luca Leombruni. Mit dem E-Bassisten hat Wezel während Corona zusammengefunden und als «Lips and Strings» mehrheitlich Covers gespielt. Diese kamen an, allerdings nicht so sehr wie die eigenen Songs, erzählt Wezel. «Diese haben beim Publikum eine andere Wirkung ausgelöst. Das hat uns gereizt, weshalb wir uns vergrössern wollten.»

Anekdoten aus dem eigenen Leben

Gesagt, getan; aus zwei mach vier – «Kaschmir» war gegründet. Auf Philippe Mathys, den Schlagzeuger der Band, stiessen sie nach einem Konzert in einer Luzerner Badi. «Es hatte geregnet und kaum Leute», erinnert sich Wezel. Mathys, der 22 Jahre in Los Angeles gelebt hatte, bekam Wind davon – und war sofort angetan vom Stil des Duos. Und der Pedal-Steel-Spieler? «Nach Tom Marmier haben wir aktiv gesucht, weil wir dieses Instrument unbedingt haben wollten», fährt Luca Leombruni fort.

Das war vor einem halben Jahr. Am Freitag, 1. Juli, erschien nun die erste Single der Gruppe: Menthol Zigarette. «Der Song hat eigentlich gar nichts mit einer ‹Zigi› zu tun», gesteht Jessie Wezel. Sondern? «Es geht darum, aus dem Alltag auszubrechen, um die Suche nach Freiheit.» Damit verweist sie auf ihren eigenen Alltag. «Ich versuche, das Leben nicht einfach hinzunehmen, wie es ist, sondern es so zu gestalten, dass ich glücklich bin.»

Von Züri West und Co. inspiriert

Vier Minuten und fünf Sekunden dauert der Song. «Das ist für ein Radio-Hit natürlich zu lange», weiss Leombruni, der nebenbei Musikunterricht gibt und Musicals spielt. Aber das sei auch nicht das Ziel ihrer Musik. «Wir wollen live spielen – so viel wie möglich.» Doch um von Clubs und Open-Airs überhaupt gebucht zu werden, müsse sich «Kaschmir» nun zuerst einen Namen machen. «Wir befinden uns noch sehr stark in unserem eigenen Kreis», sagt Wezel. Um aus diesem «Kuchen» auszubrechen, brauche es noch einen grossen Schritt. «Aber wir sind auf dem besten Weg.»

Im Herbst bringt die Band bereist ihr erstes Album raus. Zu viel verraten will die Sängerin noch nicht. «Es sind Lieder aus meinem Leben, meiner Vergangenheit, die alle für sich selbst sprechen.» Inspirieren lasse sie sich von ganz vielen Künstlern und nennt Robert Plant und Alison Krauss sowie Neil Young als musikalische Vorbilder. Aber auch die Mundart-Klassiker Züri West, Patent Ochsner und Stiller Has hätten Einfluss auf ihre Musik, ergänzt Leombruni. «Diese Bands spielen unvergessliche Live-Konzerte. Wenn das ganze ‹Salzhaus› einen Song auf Schweizerdeutsch mitsingt, ist das prägend. Das erlebt man bei internationalen Musikern nicht immer.»

«Testkonzert» in Winterthur

Eine erste Kostprobe gibt «Kaschmir» am 20. August im Rahmen des Jubiläumsfests des Quartiervereins Gutschick-Mattenbach. «Es passt irgendwie, dass wir unser ‹Testkonzert› hier in Winterthur spielen», freut sich Luca Leombruni, der in Töss aufgewachsen ist. «Unsere Songs sind bei mir im Übungsraum entstanden, aufgenommen haben wir sie im Studio von David Langhard im Deutweg.» Und auch das Musikvideo zu Menthol Zigarette, für das sich Jessie Wezel beim weltberühmten Tätowierer «Mick» live ein neues Motiv habe stechen lassen, habe ein Winterthurer produziert. «So schliesst sich der Kreis.»