Publiziert 24. Jan. 2023, 06:30
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Fotoausstellung und Buchpräsentation

Zwei Künstler begegnen sich in Zwischenräumen

Am kommenden Wochenende präsentieren die beiden Winterthurer Künstler Jürgen Küng und Wolfgang Weigand ihr Buchprojekt «Zwischenräume». Eine Entdeckung zwischen Wortbildern und Bildwelten.

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Ramona Kobe
Wolfgang Weigand (links) und Jürgen Küng begegneten sich in den Zwischenräumen, die zwischen ihren unterschiedlichen Kunstformen entstanden waren.

Wolfgang Weigand (links) und Jürgen Küng begegneten sich in den Zwischenräumen, die zwischen ihren unterschiedlichen Kunstformen entstanden waren.
Fotomontage: Ramona Kobe / zvg

Sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Wolfgang Weigand äussert sich anhand von Wortbildern zu tiefgründigen Themen wie Liebe oder Abschied. Jürgen Küng malt mit seiner Kamera und hält Bewegungen fest, die berühren. Wenn sich die beiden Kreativschaffenden begegnen, entstehen Zwischenräume – sie erzeugen Spannungen, irritieren, sprechen an, befremden. «Wir haben nicht nur zusammengearbeitet, sondern sind uns in diesen Zwischenräumen begegnet», sagt Küng.

Entstanden ist das gleichnamige Buch, in dem je 98 Gedichte und Fotografien aufeinander reagieren. Dieses präsentieren die beiden vom 27. bis 29. Januar im «Ofenraum» der Halle 142 auf dem Sulzerareal. Von einer Vernissage spricht Küng aber bewusst nicht, denn: Das Buch entstand bereits Anfang 2021 und wurde noch während der Pandemie erstmals vorgestellt. In entsprechend kleinem Rahmen. «Deshalb wollen wir die Ausstellung nochmals zeigen, in neuem Rahmen und mit hoffentlich mehr Leuten.» Küng zeigt eine Auswahl von rund 30 Fotografien, «FineArt Prints» auf Alu aufgezogen. Weigand wird aus seinem neuen Gedichtband «Unentwegt» vorlesen, der in der Zwischenzeit entstanden ist. Zudem werden musikalische Reflexionen zu Gehör kommen: Am Freitagabend wird der Winterthurer Flötist Andreas Stahel die Bilder mit «Luftströmen» bespielen. «Mit seinen Klangbildern versucht er sich unseren Kunstformen anzunähern», erklärt Küng. Ebenso der Jazzmusiker und Percussionist Tony Renold, der am Samstag die Stimmung zwischen Text, Bild und Musik ausloten wird. «Auch sie beide resonieren mit den Zwischenräumen, die entstehen.»

Vom Wegwerfprodukt zum Kunstwerk

Die Fotografie begleitet Jürgen Küng schon seit vielen Jahren. Die Fotomalerei, wie der gebürtige Luzerner seine Kunst nennt, entstand eher zufällig, als er begann, auf den ersten Blick unbrauchbare, unscharfe Fotos auszusortieren. «Ich wollte sie wegschmeissen. Doch auf einmal haben sie mich begeistert und ich begann zu experimentieren», erzählt der 68-Jährige. «Ich weiss nicht genau, was innerhalb der Kamera vorgeht, wenn diese Bilder entstehen, aber ich kann den Prozess steuern.» Und er fügt an: «Das sind keine Photoshop-Bilder. Alles, was zu sehen ist, entsteht in der Kamera.»

Die Fotomalerei, wie Jürgen Küng seine Kunst nennt, entstand eher zufällig, als er begann, auf den ersten Blick unbrauchbare, unscharfe Fotos auszusortieren.

Die Fotomalerei, wie Jürgen Küng seine Kunst nennt, entstand eher zufällig, als er begann, auf den ersten Blick unbrauchbare, unscharfe Fotos auszusortieren.
Jürgen Küng

Als er Weigand davon erzählte – der studierte Theologe leitete das Hochzeitsritual von Küng und seiner Frau – und dieser seinerseits von seinen Gedichten, war klar: «Wir müssen unsere Kunst zusammenbringen.» Schnell stand das Buchprojekt, an dem die Winterthurer während eines Jahres immer wieder gearbeitet haben. 100 Stück haben sie in Eigenproduktion drucken lassen, davon sind noch rund 30 Exemplare übrig. Wenn sie mit dem Verkauf der Bücher die Kosten der Produktion decken könnten, wären sie froh. Aber: «Das Geschäft war nicht die Motivation. Wir wollen damit kein Geld machen», sagt Küng. Sondern? «Es war für uns einfach eine Notwendigkeit, dieses Buch zu schaffen.»

Wie eine Menükarte

Die beiden erhoffen sich, dass sie das Publikum mit ihrer Kunst berühren können. «Zu spüren, dass wir mit dem, was wir machen, etwas bewegen können, sind die schönsten Momente», sagt Küng. Ihm ist aber auch bewusst, dass nicht alle Werke ankommen werden. Er vergleicht das Buch mit einer Menükarte. «Es mag alles gut sein für den Körper, aber die Geschmäcker sind verschieden.»

Noch vor dem Event am kommenden Wochenende weiss Jürgen Küng, dass es keinen Band 2 geben wird. «Was wir jetzt auf die Beine stellen, ist einmalig.» Sollten sie nochmals zusammenarbeiten, müsste es etwas ganz Neues sein. «Es ist nicht meine Art, etwas zu wiederholen», betont Küng. «Dafür habe ich genügend andere Ideen, die wohl für die nächsten 150 Jahre reichen.»

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