Publiziert 16. Feb. 2023, 09:19
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Kulturtipp fürs Wochenende

Wenn sich Literatur und VR verbinden

Mittels VR-Headset in eine 360-Grad-Lesung eintauchen: Klaus Merz und Sandro Zollinger sind mit ihrer neuen Art des Erzählens auf Schweizer Tournee. Am Samstag machen sie Halt in Winterthur.

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red

Es ist eine Symbiose von Literatur und Virtual Reality, eine Lesereise der anderen Art. Dabei entsteht über die ineinander verwobene Wahrnehmung von Text und Raum eine gänzlich neue literarische Erfahrung, in der die Teilnehmenden viel mehr als zu Augenzeugen eines Hörbuchs werden.

Am kommenden Samstag, 18. Februar, im Coalmine Café liest Klaus Merz seine Erzählung «Los», die sich in den virtuellen Räumen von Sandro Zollinger zu der berührenden Geschichte über Peter Thaler verdichtet, der auf seiner Suche nach Halt zu einer Wanderung in die Schweizer Berge aufbricht. In einem Schneesturm strauchelt er unglücklich, bricht sich den Knöchel. Im weichen Schnee liegend findet nun eine Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit statt, der alltäglichen und der endgültigen, die weit über sein unausweichliches Ende hinausweist.

«Los» lässt dabei eine befreiende Sicht auf das Leben selbst entstehen und obwohl die Erzählung ihr Ende – das stille, doch bedeutsame Verschwinden von Peter Thaler – gleich zu Beginn vorwegnimmt, erzeugt die Geschichte eine Spannung, die sich immer weiter zuspitzt. Beruhend auf einer wahren Begebenheit verbindet die Virtual-Reality-Lesung die älteste und jüngste Form des Erzählens zu einer eindringlichen Erfahrung. «Am Ende haben alle zwar dieselbe Erzählung gehört, aber eine etwas andere Erzählung gesehen», sagt Regisseur Sandro Zollinger.

Wie ein Reiseführer

«Ich möchte immer Geschichten erzählen, die mehrdeutig sind, die herausfordern, die nachhallen. Seit dem Auftauchen von Virtual Reality hab ich mich damit beschäftigt, wie mit diesem Medium zu erzählen ist», erklärte Zollinger die Idee der 25-minütigen VR-Lesung in einem Interview mit Barbara Simpson. Beim Erzählen mit Virtual Reality komme er nicht drum herum, die Aufmerksamkeit des Zuschauers immer in die Richtung der Geschichte zu lenken. «Ich muss also auf die eine oder andere Weise immer wie ein Reiseführer auf einer Stadtrundfahrt winken: Hier gibt es was zu sehen, da ist die Geschichte.» Um diesem Umstand radikal auszuweichen, sei die Idee entstanden, die Geschichte vorrangig mit Worten in Form einer literarischen Lesung zu erzählen und mithilfe von Virtual-Reality-Atmosphäre und Gefühle darzustellen.

«LOS - Virtual Reality Lesung», Samstag, 18. Februar, Coalmine Café. 18 und 18.45 Uhr.

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