Publiziert 05. Nov. 2022, 07:27
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Zwei Kochbücher herausgegeben

Seit 25 Jahren ohne Jetlag auf kulinarischer Weltreise

Der Winterthurer Verein «El Tipico» zelebriert mit Rezeptbüchern und Events den leidenschaftlichen Kochgenuss.

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George Stutz
Paul Wernli feiert gleich drei Vereins-Jubiläen: 25 Jahre «El Tipico» und die Erscheinung der Kochbücher vor 15 und 5 Jahren.

Paul Wernli feiert gleich drei Vereins-Jubiläen: 25 Jahre «El Tipico» und die Erscheinung der Kochbücher vor 15 und 5 Jahren.
George Stutz

Alles begann Mitte der 80er-Jahre, als ein paar Mitglieder der «Kulturgruppe am Technikum Winterthur» um den späteren «El Tipico»-Gründer Daniel Girsberger für die Bands, die bei ihnen aufspielten, kochten. Obwohl keine Spitzen- sondern nur Hobbyköche und -köchinnen dabei waren, überzeugten die kochenden Freunde bald nicht mehr nur am Herd des Türmlihauses, sondern auch die Studenten an ihrem Techfest. Irgendwann in den frühen 90ern nannten sich die Freizeitkochenden dann «El Tipico», während sie unter anderem auch aus den grossen Pfannen der Musikfestwochen-Festbeiz mit Kochgenüssen aus der ganzen Welt kulinarisch begeisterten.

«Wir entdeckten die Welt – ohne weit reisen zu müssen – durch das Kochen und liessen unsere Gäste daran teilhaben», erzählt Paul Wernli, seit bald sieben Jahren als Präsident des 1997 gegründeten Vereins «El Tipico» Nachfolger des im Verein aber nach wie vor mit Herzblut engagierten Daniel Girsbergers.

Ein positiv-verhängnisvoller Deal

Wernli erinnert sich an seine Anfänge im Verein der rasenden Hansdampfs. «Als damaliger Musikfestwochenhelfer trank ich in der ‹El Tipico›-Beiz mit meiner Freundin noch etwas, als Daniel Girsberger aufgeregt an unseren Tisch trat.» Die Küche hatte keine Kartoffeln mehr, 20 Kilogramm mussten sofort gespitzt werden. Als Gegenleistung winkten Caipirinhas à Discretion. «Natürlich waren wir dabei, nach dem fünften ‹Caipi› unterbreitete ich meiner Partnerin einen Heiratsantrag – den sie angenommen hat», lacht Wernli.

Seither ist er ein «Tipico» und schätzt den Spass untereinander, aber auch die vielen Erlebnisse rund ums Kochen. So war der Winterthurer Verein nicht nur jahrelang für die Musikfestwochenküche, fürs Essen an diversen anderen Kulturanlässen bis hin für Kocheinsätze an der Frankfurter Buchmesse zuständig. «Letztere war bis vor Corona ein Highlight in unserer Vereinsagenda», erzählt Wernli. «Wir zelebrierten unsere kulinarische Weltreise jeweils im Rahmen der Eröffnungsshow.» Nicht selten sei die Party erst nach der Schliessung der Messe so richtig losgegangen. «Standbetreiber aus aller Welt, die selbst an ihren Ständen für die Kundschaft kochten, brachten ihre Resten in unsere kleine Küche, wir improvisierten so, wie wir es eben liebten. Wunderbare Abende.»

Dass «El Tipico» in Frankfurt vertreten war, kam aber nicht alleine aufgrund ihres weit über die Winterthurer Stadtgrenzen hinaus bekannten guten Rufes zustande. «El Tipico» gab 2007 mit «Himmlische Küche» und 2017 mit «Verführerische Gaumenwelten» auch selbst zwei Kochbücher heraus, die bis heute über ihre Website oder in Winterthurer Buchhandlungen zu kaufen sind.

Die grossen Aufträge fehlen

Weil die Musikfestwochen 2017 ihr Gastrokonzept änderten, wurde das «El Tipico»-Zelt, das zuvor über zwei Jahrzehnte für das kulinarische Wohl der Gäste zuständig war, ausgebootet. «Das war damals eine herbe Enttäuschung», erinnert sich Paul Wernli. Weil wie beschrieben zuletzt auch die Auftritte an der Frankfurter Buchmesse fehlten, kocht «El Tipico» heute auf bedeutend kleinerer Flamme, wie Wernli bemerkt: «Wir haben nie des Geldes wegen gekocht, und doch brauchen wir für unsere Kochutensilien ein Lager, das mit Fixkosten verbunden ist.» Deshalb sind die kochenden Freunde und Freundinnen um Event-Koordinator Daniel Girsberger auf Einnahmen als innovative Caterer, aber auch solche aus angebotenen Kochkursen und eben auch auf den Verkauf der Kochbücher angewiesen, die mitunter auch über einen praktischen Einkaufshelfer für Menüs für 2 bis 20 Personen verfügen.

Paul Wernli freut sich bereits auf den kommenden Frühling: «Wir setzen alles daran, im ersten Frühling nach Corona wieder eine öffentliche Kochkursserie anzubieten, empfehlen uns selbstverständlich ab sofort weiterhin fürs Kochen im privaten, kulturellen und geschäftlichen Bereich und freuen uns auch auf neue Kochbegeisterte, die bei uns gerne mittun möchten. »

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