Publiziert 28. Apr. 2022, 08:24
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Neue Single der Winti-Band erscheint am Freitag

Prince Jelleh liefert Song mit düsterem Kern, aber hellem Mantel

Es sind eher bedrückende Themen, die Sänger Lukas Fuchs in den Songs von Prince Jelleh behandelt. Tanzbar sind die Lieder der Winterthurer Indie-Folk-Band trotzdem, wie die neue Single beweist, die am Freitag erscheint.

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Michael Hotz

Manchmal steckt hinter einem Bandnamen keine grössere Bedeutung, sondern ist einfach ein Name. Das gilt etwa für Prince Jelleh – und zwar buchstäblich. Denn so heisst ein Mann aus Liberia, der noch ein Junge war, als Lukas Fuchs ihn kennenlernte. Zusammen mit seiner Familie lebte der heute 28-jährige Winterthurer ein Jahr lang in den USA, genauer: in Nashville. Der «echte» Prince Jelleh war damals ein Schulkollege von ihm. Er und sein Bruder freundeten sich mit ihm an. «Wir fanden den Namen geil. Und er ist eine Erinnerung an die gemeinsame Zeit in Amerika», sagt Lukas Fuchs, der Bandleader, Sänger, Gitarrist und Antreiber der Band Prince Jelleh ist.

Er schreibt die Songs, die er dann zusammen mit Mirko Geiger (Jazzgitarre, Synthesizer), Samuel Schuhmacher (Schlagzeug) und eben seinem Bruder Levi Fuchs (Bass) arrangiert. Das hiesige Indie-Folk-Quartett hat nun ein neues Lied am Start, diesen Freitag erscheint die Single «Punching Bag».

Sehr persönlich, aber für alle zugänglich

Es ist ein sehr persönlicher Song. Beginnend als klassisches Singer-Songwriter-Stück mit Klängen einer akustischen Gitarre, wird es rockiger, wenn der Rest der Band einsetzt, und bekommt durch eingängige Synthesizer-Beats einen poppigen Touch. Emotionalität stellt auch der Songtext her. So beginnt «Punching Bag» mit der Zeile: «Honestly, she said, get professional help.» Den Satz «Hol dir professionelle Hilfe» war der Auslöser für Lukas Fuchs, um diesen Song zu schreiben. Er hatte diese Worte nämlich einst von seiner Partnerin zu hören bekommen, wie er verrät, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. «Ich schreibe viel von mir, aber andere Menschen müssen einen Zugang zum Inhalt haben. Es geht mir nicht um meine eigene Therapie», führt er aus.

Lukas Fuchs generalisiert seine erlebten Emotionen und macht damit den grossen Kontext auf. «Wenn ich musiziere, dann kommt Unverarbeitetes in mir hoch. Ich will mit meiner Musik Unangenehmes beleuchten. Über einen schönen Tag muss ich keine Lieder schreiben.» Vielmehr beschäftige er sich musikalisch mit inneren Konflikten wie falscher Stolz, Wut oder Depressionen. Darum sieht sich der Künstler gewissermassen als Sprachrohr für diese oft tabuisierten Themen, denen er einen Raum geben wolle. «Ich bin aber kein Prediger», betont der Bandleader.

Mehrere Ebenen und unerwartete Twists

Bei «Punching Bag» geht es um die innere Zerrissenheit des besungenen Mannes, der seine Freundin als emotionales Ventil für seine Probleme missbraucht. Als diese ihn damit konfrontiert («Get professional help») ist er einerseits verletzt, was er in seinem Stolz nicht wirklich zugeben kann. Andererseits versteht er seine Partnerin und gibt ihr recht. Das kommt insbesondere im Refrain zum Ausdruck, in dem auch der titelgebende Begriff fällt. Der Text macht das Lied düster und emotional, als Gesamtwerk ist er aber auch leicht und tanzbar. Genau diese Vielschichtigkeit ist es, die Lukas Fuchs erreichen will: «Songwriting ist Geschichtenerzählen. Darum braucht es verschiedene Ebenen und unerwartete Twists.» Solche hat der Winterthurer auch in weitere neue Songs eingebaut. Denn «Punching Bag» ist bloss die erste Ladung der neuen EP «Porcelain», die im Herbst auf den Markt kommt. Dazwischen erscheinen noch zwei weitere Singles. Für die EP hat Prince Jelleh zum ersten Mal mit Tillmann Ostendarp zusammengearbeitet, der Songs von Black Sea Dahu produziert hat sowie Drummer und Posaunist bei Faber ist.

  • Indie-Folk-Band mit weiteren Facetten

  • Vor der Single «Punching Bag» und der bald erscheinenden EP «Porcelain» veröffentlichte Prince Jelleh 2016 die EP «LILY» und zwei Jahre später die EP «Antarctica». 2020 folgten das Debut-Album «DONE.» sowie eine Deutschland-Tour als Supporting-Act der Schaffhauser Band The Gardener And The Tree. Das Winterthurer Quartett lässt sich am besten als Indie-Folk-Band beschreiben – wobei Bandleader Lukas Fuchs sein Projekt nicht unbedingt in ein Genre-Korsett zwängen will, wie er sagt, ohne zu kokettieren: «Ich höre diverse Musik, darum bin ich von vielen Stilen beeinflusst.» 

Dieser sei ein zentrales Puzzleteil gewesen, dass die Band ein neues Level erreicht habe, findet Lukas Fuchs. «Unsere Arrangements sind besser geworden, was die Songs noch zugänglicher macht.» Er selber habe sich auch verbessert, indem er in seinen Texten präziser sei. «Ich habe den Anspruch, dass die Leute verstehen, was ich sagen will. Oder zumindest eine Ahnung davon haben.»

Grosse Freude und viel Stolz

Wie in «Punching Bag» hat die ganze EP «Porcelain» einen düsteren Anstrich, ohne dass die Songs völlig damit überdeckt sind. Dieser dunkle Schimmer hat auch mit Corona zu tun, glaubt Lukas Fuchs. «Es war wie für viele auch für mich psychisch keine einfache Zeit. Sie hat mich in vielen Bereichen zurückgeworfen», sagt der Musiker, der auch Zeichner und Illustrator ist. Umso mehr ist er jetzt erfreut, dass Events wieder vollumfänglich möglich sind. «Das gibt mir sehr viel Energie.»

Viel Power will er mit seinen drei Bandkollegen auch auf die Bühnen bringen. Ein erstes Konzert ist für diesen Samstag, 30. April, in St. Gallen am Honky-Tonk-Festival terminiert. Am 6. Mai tritt Prince Jelleh in Zürich am Lauter-Festival auf. Mitte des nächsten Monats, am 19. Mai, spielt die Band an der zweiten Ausgabe des Ante-Festivals auf dem Bäumli. An den Auftritten werden dann wohl auch Teile von «Porcelain» zu hören sein. Die EP lässt Lukas Fuchs fast ein wenig überschwänglich werden: «Ich war noch nie so stolz auf einen Release wie auf diesen.»

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