Publiziert 14. Apr. 2022, 09:00
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Ausschreibung für Street-Art-Wand am Bahnmeisterweg

Pfau ersetzte Winterthur – was kommt jetzt?

Das House of Winterthur sucht nach einem Kunstschaffenden, der die Wand am Bahnmeisterweg mit neuer Streetart versehen will. Die Ausschreibung läuft noch bis Ende Monat.

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red
Basil Girard war der erste Künstler, der die neu errichtete Street-Art-Wand am Bahnmeisterweg gestalten durfte.

Basil Girard war der erste Künstler, der die neu errichtete Street-Art-Wand am Bahnmeisterweg gestalten durfte.
House of Winterthur

«Jugendstil meets Street-Art.» So lautete das Fazit der Kunsthistorikerin und Kuratorin Katja Baumhoff zum Werk von Basil Girard. Der Winterthurer Künstler gewann vergangenes Jahr die erste Ausschreibung für die Streetart-Wand am zentral gelegenen Bahnmeisterweg. Darum ziert seine Interpretation «Das grüne Winterthur» seit Sommer 2021 jene Mauer auf dem Sulzer-Areal entlang den Gleisen, die jahrelang mit dem bekanntesten Graffiti der Eulachstadt versehen war: dem legal gesprayten Winterthur-Schriftzug.

An der ursprünglichen Wand hatte der Zahn der Zeit genagt, weshalb sie Mitte 2020 abgerissen und anschliessend ersetzt werden musste. Die neue Wand sollte aber weiterhin eine Art Pilgerstätte für Selfie-Vernarrte und Influencer bleiben, weshalb die elf auf zwei Meter grosse Fläche nun mit jährlich wechselnder Street-Art aufgewertet wird. Statt mit Winterthur lockt die Stadt nun eben mit einem Pfau aus der Feder beziehungsweise aus den Spraydosen von Girard. In seinem rund neun Monate altem Werk integrierte der Winterthurer die Geschichte, die Kunst sowie die Museumsstadt und unterstrich dies anhand ornamentaler Elemente und einem Blumenteppich. Auch Ethno-Kunst liess er einfliessen. 

«Überrascht mit neuen Ideen»

Das Street-Art-Kunstwerk von Girard wird im Juni aber wieder verschwinden. Denn das House of Winterthur sucht aktuell nach Kunstschaffenden, welche die Wand mit ihrer Idee versehen wollen. Die Ausschreibung dazu läuft noch bis am 30. April. Anschliessend wird eine Jury die eingereichten Bewerbungen sichten und dann eine Gewinnerin oder einen Gewinner bestimmen.

Teil der sechsköpfigen Jury ist Julien Kolly. Der Romands, der in Zürich und in Genf je eine Galerie mit Fokus auf Graffiti führt, gilt als Schweizer Pionier der Förderung und Ausstellung von Graffiti-Kunst in Galerien. «Ich finde es immer interessant, ein Auge auf die Schweizer Kunstproduktion zu haben», führt er aus, weshalb er sich in der Jury engagiert. An der Graffiti-Kunst fasziniere ihn, wie diese den urbanen Raum verändern könne. Das Zusammenwirken der verschiedenen Facetten wie die Zusammensetzung der einzelnen Buchstaben und die Verbindung mit anderen grafischen Elementen würden als Gesamtbild ein gelungenes Graffiti ausmachen. «Der Standort ist auch sehr wichtig, manchmal sogar noch wichtiger als das Graffiti selbst», so Kolly.

Zumindest ein guter Standort ist mit der Street-Art-Wand am Bahnmeisterweg schon mal gegeben. Möglichen Bewerberinnen und Bewerbern empfiehlt der Experte, einerseits «out of the Box» zu denken, andererseits aber auch im Einklang mit den eigenen Überzeugungen zu sein. Und weiter: «Basil Girards Werk überzeugte durch die Verbindung zwischen vergangener und zeitgenössischer Kunst. Überrascht uns im 2022 mit neuen, prägnanten Ideen.»

  • Ausschreibung läuft noch bis Ende April
    Street-Art-Kunstschaffende können sich noch bis zum 30. April für die zweite Ausschreibung bewerben, um die Wand am zentral gelegenen Bahnmeisterweg zwischen Bahnhof und Sulzer-Areal kreativ interpretieren zu dürfen. Die Kriterien sind Einzigartigkeit im Stil, Freiheit an Kreativität und positive Message. Eingereicht werden müssen eine Skizze, die Interpretation dazu sowie Referenzen. Die sechsköpfige Jury wird die Gewinnerin oder den Gewinner bis Ende Mai auswählen und informieren. Das neue Kunstwerk wird dann im Juni umgesetzt. Für den siegreichen Kunstschaffenden gibt es eine Gage von 2000 Franken. Die Bewerbung kann auf der Website von House of Winterthur eingereicht werden.

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