Publiziert 15. Apr. 2022, 16:00
8400

Stadt vermittelt Kunst mit Apps

Kunstwerke mit dem Handy einfangen

Die Stadt Winterthur hat zwei Apps geschaffen, um Kunst-und-Bau-Objekte sichtbarer zu machen und damit einer breiten Bevölkerung Kultur zu vermitteln. Dank Augmented Reality und Poesie werden über 30 Kunstwerke digital erlebbar.

M
Michael Hotz
Dank Augmented Reality kann mit der App «Art Catch» etwa der Pavillon der Max-Bill-Anlage auf dem Handy selber zusammengebaut werden.

Dank Augmented Reality kann mit der App «Art Catch» etwa der Pavillon der Max-Bill-Anlage auf dem Handy selber zusammengebaut werden.
Michael Hotz

Oft geht man an ihnen vorbei, sieht sie im öffentlichen Raum, auf Schulhöfen, in städtischen Altersheimen oder im Superblock: die sogenannten Kunst-und-Bau-Objekte, die jeweils Teil von staatlich finanzierten Bauprojekten sind. In Winterthur gibt es rund 200 davon.

Um diese und ihren Hintergrund sichtbarer zu machen, hat die Stadt nun zwei Apps zur Kulturvermittlung entwickelt. «Konträr zu ihrer Bedeutung wurden die Werke bis anhin mehr als stiefmütterlich behandelt», sagte Nicole Kurmann, Leiterin des Bereichs Kultur, bei der Lancierung der Apps am Donnerstagabend, 14, April. Das neue virtuelle Angebot soll als eine Art Trigger funktionieren, um einer breiten Bevölkerung den Zugang zu Kunst im öffentlichen Raum zu verschaffen, ergänzte Karin Frei-Rappenecker, Verantwortliche Kunst-und-Bau der Stadt Winterthur. «Wir schlagen damit eine niederschwellige, innovative und kostenlose Brücke.»

Kunstwerke statt «Pokémons» sammeln

Die eine App, «Art Catch», ist eine Art «Pokémon Go» mit Kunst. Getreu ihrem Namen ermöglicht sie, mit dem Smartphone oder dem Tablet über die Stadt verteilte Kunstwerke digital einzufangen. Dafür muss sich der Nutzer oder die Nutzerin an den Standort der Kunst-und-Bau-Objekte begeben. Die Augmented-Reality-Technologie der App zeigt dann spezifische auditive oder visuelle Elemente an, um den Kunstwerken lustvoll, spielerisch und mit einer guten Portion Humor zu begegnen. So erzählt die im Stadtpark stehende Bronzestatue vom deutschen Künstler Gerhard Marcks, was sie in Nazi-Deutschland alles gesehen und erlebt hat und wie sie 1942 von Berlin nach Winterthur gekommen ist. «Die Geschichten sind sehr berührend», führte Frei-Rappenecker aus.

Bei «Kerberos» von Katja Schenker – von Kritikern gerne als «rostiger Zaun» bei der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) bezeichnet – ermöglicht die App «abgefahrene Kamerafahrten» durch die KVA, wie es die Kunst-und-Bau-Verantwortliche ausdrückt. Die digitale Version der Wandmalerei von Camillo Jelmini im Schulhaus Strittacker zeigt, wie Schülerinnen und Schüler das Kunstwerk neu zusammensetzen und so neu interpretierten.

Neun Objekte sind aktuell in der von der Firma Freisicht entwickelten App integriert, «Art Catch» soll aber in Zukunft mit weiteren Werken erweitert werden.

Ergänzende Lektüre zu 30 Objekte

Die zweite App, «Artlist.net», listet 30 Kunstwerke aus Kunst-und-Bau-Objekte auf. Diese ebenfalls kostenlose Applikation bietet einerseits Basisinformationen zu den Werken, ergänzt diese aber mit Lektüre der beiden Autorinnen Tanja Kummer und Andrea Keller. In ihren Texten begleiten, hinterfragen oder umspielen sie die Werke – hier poetisch oder anekdotisch, dort humorvoll oder nachdenklich.

So nimmt Tanja Kummer die künstlerischen Schriftzüge an den Gebäuden des Schulhauses Feld in Veltheim literarisch auseinander und bildet Anagramme aus dem Wort «Kurzweil». Und Andrea Keller umschreibt bildhaft den Granit-Pavillon der Max-Bill-Anlage vor dem Stadtwerk-Gebäude in Töss.  

Geld aus dem Innovationskredit

Die App «Art Catch» realisierte die Stadt mit Geldern aus dem Innovationskredit der Smart City. Der Kredit wird für Projekte eingesetzt, bei dem neue Technologien eingesetzt werden und mit unterschiedlichen Partnerinnen und Partnern wie Hochschulen, Unternehmen und Startups kooperiert wird, um die Vernetzung innerhalb von Winterthur zu fördern. In der Regel gibt die Stadt pro Jahr 200‘000 Franken dafür aus. «Wir sind stolz auf die beiden Apps. Den Innovationskredit haben wir zurecht bemüht», sagte Kurmann, die Leiterin des Bereichs Kultur.

Das könnte Sie auch interessieren