Publiziert 19. Apr. 2022, 12:12
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Fatima Vidal schrieb Märchen über psychische Probleme

«Ich hatte auch schon mehr Angst, als mir lieb war»

«Keine Angst» heisst das neuste Werk von Fatima Vidal. Das Märchen widmet sich dem Thema Angst. Das Gute: Diese kann wieder verlernt werden, wie die Winterthurer Autorin in ihrem Buch bildhaft aufzeigt.

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Michael Hotz
Für «Keine Angst» hat Autorin Fatima Vidal Figuren wie den einsamen Kater Leo kreiert.

Für «Keine Angst» hat Autorin Fatima Vidal Figuren wie den einsamen Kater Leo kreiert.
zvg

Da ist die von Schlafproblemen geplagte Luna, die sich nichts mehr wünscht, als ihre Angst zähmen zu können. Und da ist der einsame Kater Leo, der sich nach Liebe und Freundschaft sehnt. Beide begeben sich unabhängig voneinander auf die Suche nach Lösungen und finden dann einander. Auf dem gemeinsamen Abenteuer treffen sie auf die resiliente Möwe Ursa, die nach einem Kindheitstrauma zur Achtsamkeit fand, und einige weitere kurzeitige Begleiterinnen und Begleiter.

Diese Heldengeschichte ausgedacht hat sich Fatima Vidal. Die Winterthurer Autorin – von ihr stammen etwa die Werke «Kater (43), 1.80 m, sucht…» und zuletzt «Zwei Hotels und ein Iglu» – schuf mit «Keine Angst – Gelassenheit, innere Stärke, Glück und Freundschaft finden» ein illustriertes Märchen, deren zehn zusammenhängenden Geschichten sich dem Thema Angst widmen und aufzeigen sollen, wie diese bewältigt werden kann. Geschrieben hat es Vidal für Erwachsene. Ihr neues Buch eigne sich aber auch für Kinder ab dem Alter von zehn Jahren, betont sie.

Vor zwei Jahren gestartet

Psychologinnen und Psychologen haben jüngst Alarm geschlagen, dass gerade die Gefühlswelten von Kindern und Jugendlichen im besonderen Masse unter den Corona-Massnahmen gelitten haben. «Keine Angst» ist jedoch nicht als Reaktion darauf entstanden, wie Vidal erzählt: «Ich dachte natürlich auch an diese Kinder und Jugendlichen, als ich am Buch arbeitete. Aber die Idee hatte ich schon früher.» Vor rund zwei Jahren nahm die 59-jährige Winterthurerin mit spanischen Wurzeln das Projekt in Angriff. Durchaus auch aus Eigeninteresse: «Ich hatte auch schon mal mehr Angst, als es mir lieb war.»

Als Recherche setzte sie sich mit den neusten Erkenntnissen aus der Gehirnforschung zu Angst, Traumata, Sucht und Stress auseinander, las Sachbücher von führenden Neuropsychologinnen und -psychologen, Ärztinnen und Ärzten sowie von weiteren Fachleuten. Dazu gehörten Werke von Rick Hanson, Judson Brewer, Tara Brach und Barbara Sher. Ihr grösstes Aha-Erlebnis: «Die Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist das wichtigste von allem. Es ist zentral, zu wissen, wie es einem geht.» Und: «Das Gehirn ist plastisch, es verändert sich ständig. Deshalb ist es möglich, sich angeeignete Angst auch wieder zu verlernen.»

Auch ein bisschen Ratgeberlektüre

Das neue Wissen hat Vidal dann angewandt, um das Thema des Buches, wie Angst entsteht und wie sie überwunden werden kann, möglichst anschaulich zu beschreiben. Das Märchen ist somit indirekt auch Ratgeberlektüre. Im Vordergrund stehe aber die Story, so die Autorin. Das Buch sei fesselnd und an gewissen Stellen lustig. Man könne es auch einfach zur Unterhaltung lesen. Um den Geschichten noch mehr Ausdruck zu verleihen, hat die Autorin viele eigens kreierte Zeichnungen in das 128-seitige Werk eingebaut. «An den farbigen Illustrationen habe ich lange gearbeitet. Ich war mit ihnen erst zufrieden, wenn sie mich emotional berührten.»

Die Illustrationen von Fatima Vidal machen die Story, in der Luna und Leo etwa auf die resiliente Möwe Ursa treffen, noch bildhafter.

Die Illustrationen von Fatima Vidal machen die Story, in der Luna und Leo etwa auf die resiliente Möwe Ursa treffen, noch bildhafter.
Fatima Vidal

Generell steckte Vidal viel Aufwand in «Keine Angst». Den Text habe sie dreimal komplett neu geschrieben – mindestens. Zu Beginn schwebte ihr etwa ein Krokodil namens Reptili als Protagonist vor. Dieses sollte das sogenannte Reptilienhirn symbolisieren, wie der evolutionsgeschichtlich älteste Teil des menschlichen Gehirns auch bezeichnet wird, der unter anderem für instinkthafte Reaktionen wie eben Angst zuständig ist. Diese Idee verwarf die Winterthurerin aber während des Entstehungsprozesses wieder. Sie hielt jedoch daran fest, dass alle Figuren – das Mädchen Luna ausgenommen – tierischen Wesens sind. «Das hat sich einfach so ergeben. Die Tiere haben sich mir gewissermassen aufgedrängt», führt Vidal aus.

400 Exemplare schon vergriffen

Veröffentlicht hat sie ihr neustes Werk im Eigenverlag. Erhältlich ist es in den meisten Buchhandlungen von Winterthur. Die erste Auflage umfasst 1000 Exemplare, wovon rund 400 bereits vorbestellt worden sind. «Das ist schon mal ein grosser Erfolg. Zum Glück habe ich so viele Freunde», sagt die Autorin und lacht. Weil die Produktion des Märchens wegen der vielen farbigen Illustrationen einiges teurer gewesen sei als bei einem gewöhnlichen Buch, hoffe sie, noch einige Ausgaben mehr verkaufen zu können. Und: «Von Herzen wünsche ich mir, dass mein Büchlein vielen Menschen bei ihren Problemen helfen wird.»

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