Publiziert 09. Dez. 2022, 08:44
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Museumsbesuch im Advent

Gemeinsam statt einsam Spuren hinterlassen

Wenn der Museumsbesuch zum Kulturerlebnis wird: Das Projekt «TiM – Tandem im Museum» lässt Unbekannte gemeinsam kreativ werden. Auch in Winterthur.

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Ramona Kobe

Eine Person, die ein Museum kennt, lädt eine andere Person für einen gemeinsamen Museumsbesuch ein. Zusammen macht das Tandem einen Rundgang, tauscht sich über die Ausstellung aus und macht mit dem Handy ein Selfie. Dieser Dialog allein würde aus dem Museumsbesuch ein Erlebnis machen und könnte hier enden – tut er aber nicht. Die beiden Unbekannten wählen ein Objekt aus, erfinden dazu eine Geschichte und stellen diese online, um andere daran teilhaben zu lassen.

Was 2013 als Generationenprojekt begann, trägt mittlerweile den Namen «TiM – Tandem im Museum». Über 100 Museen schweizweit beteiligen sich am kostenlosen Kulturerlebnis, dem eine soziale Idee zugrunde liegt, wie Projektleiterin Franziska Dürr sagt. «Gerade in der oft hektischen Adventszeit fehlt den Menschen die Musse, zur Ruhe zu kommen.» Die Tandems würden helfen, etwas Neues zu wagen, kreativ zu werden, einen Moment innezuhalten. «Menschen sollen in den Museen aktiv werden, einen Bezug zu sich selbst und anderen herstellen und eine Spur hinterlassen, indem sie sich zu zweit eine Geschichte ausdenken und diese posten», nennt Dürr das Ziel des Angebots, das von Kuverum Services in Zusammenarbeit mit dem Migros-Kulturprozenten, der Beisheim Stiftung und weiteren Partnern realisiert wird.

Kreativität nicht einschränken

Auch in Winterthur kann ein Museum nicht einfach als Ort der Belehrung, sondern der Entdeckungen dienen. Anfang Monat fand der «TiM»-Adventsanlass im Kunst Museum statt, am kommenden Mittwoch, 14. Dezember, können sich die Zweier-Teams im Gewerbe- und Uhrenmuseum inspirieren lassen – sowohl von der aktuell laufenden Ausstellung «The Bigger Picture: Design – Frauen – Gesellschaft», als auch von den 19 Winterthurer Guides.

Franziska Dürr

«Es braucht Mut, mit jemandem, den man nicht kennt, ins Museum zu gehen und sich von den Ausstellungsobjekten inspirieren zu lassen»

«Die Zahl der Begleitpersonen hat sich in Bezug auf letztes Jahr schweizweit mehr als verdoppelt», freut sich Dürr. Während bei der Erstausgabe rund 100 Guides unterwegs waren, sind es heute über 240. Diese Zahl soll bis Ende 2023 auf 500 klettern, das sei der Wunsch. «Die Aufgabe ist aber nicht für jeden gemacht», so die Projektleiterin. «Es braucht Mut, mit jemandem, den man nicht kennt, ins Museum zu gehen, sich von den Ausstellungsobjekten inspirieren zu lassen und seine Gedanken anschliessend niederzuschreiben.» Dabei dürfen sie ihren Fantasien freien Lauf lassen. Egal, ob Kommentar, Bezug zum Alltag oder erfundene Story, alles ist erlaubt. «Wir wollen die Kreativität der Menschen aktivieren.»

Ein Selfie ist nicht Pflicht

Die Geschichten werden auf der Website von «Musee imaginaire Suisse» aufgeschaltet. Auf die Frage, wer sie lesen würde, weist Franziska Dürr darauf hin: «In diesem Jahr haben bereits 80'000 Leute die Website besucht.» Ausserdem erfahre sie immer wieder, dass die Besuchenden auch die Geschichten der anderen lesen würden.

Auch Generationen soll das Projekt zusammenbringen.

Auch Generationen soll das Projekt zusammenbringen.
Tandem im Museum

Und was hat es mit dem Handyfoto auf sich? «Damit sollen die Leserinnen und Leser sehen, wer dahintersteckt.» Auch bei dieser Aufgabe gibt die Projektleiterin keine Regeln vor. «Wer kein Foto von sich machen will, wird nicht ausgeschlossen. Es gibt viele Formen, wie sich die Leute als Autorinnen und Autoren zeigen. Aber auch hier gilt: Nutzt eure Fantasie!»

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