Publiziert 21. Juni 2022, 16:57
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Interview mit OK-Präsident Daniel Frei

Es soll ein Albanifest werden, wie man es von früher kennt

Für Daniel Frei ist das erste Albanifest seit drei Jahren gleichzeitig sein letztes als OK-Präsident. Die grosse Unbekannte ist für ihn, wie sich die Menschen am Strassenfest verhalten werden.

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Michael Hotz
Der scheidende OK-Präsident Daniel Frei erhofft sich ein letztes Albanifest, das schön, sicher und unfallfrei sein wird.

Der scheidende OK-Präsident Daniel Frei erhofft sich ein letztes Albanifest, das schön, sicher und unfallfrei sein wird.
Fotomontage: Heinz Stiefel / Michael Hotz / Albanifest-Komitee

Nach zwei pandemiebedingten Ausfällen findet nun dieses Wochenende das Albanifest endlich wieder statt. Wie angespannt sind Sie?

Daniel Frei: Sicher etwas mehr als sonst. In den letzten drei Jahren haben wir das Fest weiterentwickelt, vor allem im Hintergrund. Wir warten nun schon länger darauf, dass wir diese Änderungen endlich einsetzen und umsetzen können. Dadurch ist die Anspannung etwas höher als früher. Wir sind aber auf Kurs.

Was sind denn das für Änderungen?

Neu sind die Arealabsperrungen. Dafür hat sich die Stadtpolizei Winterthur ein neues System angeschafft. Speziell ist auch, dass die Aufbauarbeiten am Freitag bereits den Tag hindurch möglich sind. Stadtbus Winterthur stellt um 9 Uhr auf Festbetrieb um. Auf der Stadthausstrasse verkehren ab dann keine Busse mehr. Das bringt grosse Veränderungen mit sich, vor allem auch für uns vom OK.

Das ist sicher ein grosser Vorteil, oder?

Ja, vor allem, was die Sicherheit angeht. Früher wollten alle Teilnehmenden um 17 Uhr aufs Festgelände fahren und mit dem Aufbau beginnen. Eine Stunde später um 18 Uhr war dann bereits Festbeginn. Es waren also schon Menschen unterwegs und gleichzeitig mussten gewisse Vereine noch ihre Zelte aufbauen. Das war seit Jahren suboptimal. Jetzt erhielten wir das erste Mal die Bewilligung, schon ab Freitagmorgen aufstellen zu dürfen. Unser Ziel ist, dass die Vereine beim Aufbau und die Lieferanten und Kunden der Läden gut aneinander vorbeikommen und sich gegenseitig nicht stören. Es soll also ruhiger und sicherer werden.

Jetzt können auch die sicherheitsrelevanten Kontrollen und die Feuerwehrdurchfahrt vor dem Start des Fests durchgeführt werden.

Genau. Dafür setzen wir auch mehr Personal ein. Wir haben die Altstadt in vier Gebiete aufgeteilt und setzten für diese sogenannte Zonenchefs mit eigenen Teams ein. Diese begleiten den Aufbau und achten darauf, dass die Platzierungen richtig sind. So stellen wir ein entschleunigtes Aufbauen sicher, bis um 18 Uhr das Albanifest losgeht.

Nach dreijähriger pandemiebedingter Zwangspause kehrt das Albanifest mit seinem Wahrzeichen, dem Riesenrad auf dem Neumarkt, zurück.

Nach dreijähriger pandemiebedingter Zwangspause kehrt das Albanifest mit seinem Wahrzeichen, dem Riesenrad auf dem Neumarkt, zurück.
Heinz Stiefel

Neben diesen Änderungen soll es aber ein Albanifest werden, wie man es kennt.

Richtig, das ist unser erklärtes Ziel. Ohne irgendwelche Einschränkungen.

Was zeichnet denn das Albanifest für Sie aus?

Das Einzigartige ist die Involvierung der Vereine und der Kulturen. Das passt so richtig zu Winterthur. Und gleichzeitig ist das Albanifest mitten in der Altstadt. Das ist einmalig für ein Fest dieser Grössenordnung. Entstanden ist dies aus dem Brauchtum und der Tradition heraus, was wir zum Glück bisher aufrechterhalten und weiterentwickeln konnten.

Auf was freuen Sie sich besonders?

Dass wir das Albanifest wieder organisieren dürfen. Das steht extrem im Mittelpunkt und ist eine Riesenfreude. Besonders weil uns diese Freude in den letzten zwei Jahren genommen worden war. Jetzt können wir unsere grosse Arbeit, die hinter der Organisation steckt, der Bevölkerung wieder zeigen.

Für Sie wird es das letzte Albanifest als OK-Präsident sein. Warum treten Sie zurück?

Ich bin seit 2012 Präsident. Irgendwann muss man zu diesem Entschluss kommen. Mir ist es sehr wichtig, dass ich aufhöre, solange es mir noch Spass macht und das ganze Herzblut, das es für dieses anspruchsvolle Ehrenamt braucht, noch vollumfänglich vorhanden ist. Das ist jetzt noch der Fall, darum ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören. Ich denke, zehn Jahre sind eine genügend lange Zeit, um eine solch grosse Verantwortung weitergeben zu dürfen.

Ist die Nachfolge bereits geregelt?

Nein, wir werden uns nach dem Fest darum kümmern. Wir haben also keine Person in der Hinterhand, die wir einfach noch nicht bekanntgeben wollen. Zuerst steht nun eine gute Organisation des diesjährigen Albanifests im Mittelpunkt. Es wird sicher nicht ganz einfach, jemanden zu finden. Andererseits müssen wir ja auch auf Personen zugehen. Dafür brauchen wir genügend Zeit.

Was muss Ihre Nachfolge mitbringen?

Enorm hilfreich ist, sehr gut vernetzt zu sein in alle Richtungen. Kurze Wege in einer grossen Stadt sind bekanntlich wichtig. Es dürfen nicht unnötig viele Ressourcen verloren gehen, bis man überhaupt irgendwo vorsprechen kann.


Daniel Frei

«Ich denke, zehn Jahre sind eine genügend lange Zeit, um eine solch grosse Verantwortung weitergeben zu dürfen»

Und sonst?

Als Präsident oder Präsidentin muss man genügend Zeit mitbringen und flexibel sein. Vieles lässt sich zwar organisieren, aber Kurzfristiges fällt hie und da an. Dafür braucht es das entsprechende Umfeld. Selbstverständlich muss man durch und durch Vollblut-Winterthurer sein, sich also mit der Stadt, den Vereinen und dem Gewerbe identifizieren können.

Zurück zum Fest. Geändert haben Sie im OK die Aufteilung der Vereine auf dem Gelände, wobei der Vorwurf aufkam, dass die Stadthausstrasse zur Partymeile wird. Warum haben Sie diese Anpassung vorgenommen?

Als Wichtigstes gleich vorweg: Es sind kleine Korrekturen. Es gibt nun die laute Zone. Das ist und bleibt die Stadthausstrasse. Das Festgelände dort wird aber nicht anders, dieses kennt man bereits so. Die Bezeichnung Partymeile ist also einfach nicht richtig, denn die Stadthausstrasse bleibt sehr vielfältig, auch wenn es dort sicher am lautesten wird. In der Altstadt drängt sich aber auf, dass es dort ruhigere und eher gemischte Zonen gibt. Wir wollen verhindern, dass sich zwei DJs in angrenzenden Zelten gegenseitig mit immer lauterer Musik übertrumpfen möchten. Das braucht es in der Altstadt nicht. Wir wollen nicht die falsche Musik am falschen Ort.

Eine grosse Unbekannte ist, wie sich die Menschen nach all den Corona-Massnahmen an einem Grossfest verhalten werden. Mit wie vielen Besuchenden rechnet das OK?

Wenn wir das wüssten, wäre es keine Unbekannte (lacht). Erfahrungen von anderen Festen, die bereits wieder stattgefunden haben, haben uns gezeigt, dass das Nachholbedürfnis bei den Menschen sehr gross ist. Das Verhalten ist aber wirklich schwer einzuschätzen. Sind die Leute wieder bereit, in der Altstadt in ein enges Festzelt zu gehen? Oder suchen die Menschen das gar nicht mehr? Da können wir nur Vermutungen anstellen.

Und die wären?

Wir gehen davon aus, dass es nicht weniger Besuchende geben wird als früher. Konkret wären das über 100’000 Menschen. Die Frage ist fast mehr, wie sich das Publikum verteilt. Vielleicht gehen die Besuchenden am Samstag schon etwas früher ans Albanifest und meiden dafür die Abend- und Nachtstunden. Darauf sind wir gespannt. Ich hoffe einfach, dass es nur Gewinner geben wird. Also dass die Vereine, Marktfahrenden und Schausteller ihre guten Umsätze erzielen und sie gleichzeitig der Winterthurer Bevölkerung Freude bereiten. Es soll ein schönes, sicheres und unfallfreies Albanifest werden. So wie früher.

  • Verkehr eingeschränkt wegen Albanifest

  • Das 49. Albanifest über das kommende Wochenende hat Einfluss auf den Verkehr in Winterthur. Wie die Stadtpolizei Winterthur in einer Medienmitteilung hinweist, werden sämtliche Zufahrten in die Altstadt, die Stadthausstrasse sowie teilweise die Museumstrasse von Freitag, 24. Juni, um 9 Uhr bis kommenden Montag, 27. Juni, um 5 Uhr für sämtlichen Fahrzeugverkehr gesperrt. Bei Festbeginn am Freitag ab 18 Uhr, am Samstag ab 13 Uhr und am Sonntag ab 10:30 Uhr ist laut Stadtpolizei generell mit Verkehrsbehinderungen rund um die Innenstadt zu rechnen.
    Die Stadtbus-Linien 1, 3, 5, 7, 10 und 674 sowie die Postautos werden von Freitag ab 9 Uhr bis Sonntag um Betriebsschluss umgeleitet. Auf den Linien 1, 2 und 3 sowie den Nachtbussen gibt es ein Zusatzangebot. Die Polizei bittet die Festbesuchenden, für die Fahrt ins Stadtzentrum die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen.
    Während des Albanifests werden für invalide Fahrzeugführende einige Parkplätze auf der Museumstrasse hinter dem Stadthaus eingerichtet. Ansonsten stehen für Autofahrende nur die regulär vorhandenen Parkplätze und Parkhäuser zur Verfügung. Velofahrende können ihr Fahrrad auf der Bankstrasse und im oberen Teil der Stadthausstrasse abstellen.

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