Publiziert 09. Nov. 2022, 15:32
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Lisa Oribasi im Porträt

Eine Künstlerin, die für ihr inneres Kind singt

Sie gibt Yoga-Stunden, ist in den Gassen Winterthurs als Strassenmusikerin unterwegs und schreibt Songs mit Grössen wie Pegasus. Nun bringt Lisa Oribasi ihre erste eigene EP heraus.

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Ramona Kobe

Mit dem Coop-Weihnachtslied berührte sie vor fünf Jahren die ganze Schweiz: Innerhalb einer Woche kletterte «Memories» auf Platz 1 der Charts und hat allein auf Spotify über zwei Millionen Streams erreicht. Und auch der Track «Victoria Line», den Lisa Oribasi für Pegasus schrieb, mutierte vor zwei Jahren zu einem Radiohit und erhielt Goldstatus.

Seither tüftelt die Wahl-Winterthurerin, die ihre Talente im Rahmen eines Gesangs- und Songwriting-Studiums in London entwickelt hatte, an ihrem eigenen Soundkosmos, brachte die Singles «Mustard Yellow» und «Bubbles» oder auch «Yucca» und «Water Queen» heraus. Nun ist die Zeit reif für die erste EP, die am kommenden Freitag, 11. November, erscheint. «Wer sich fragt, weshalb ich so lange dafür gebraucht habe: Ich bin eine unglaubliche Perfektionistin», gesteht Oribasi. Jedes winzige Detail hat sie mehrfach überprüft und optimiert – soweit es eben ging. Denn: «In der Kunst kann man nie ganz alles unter Kontrolle haben», weiss die 28-Jährige mittlerweile.

Bei Beyoncé den RnB entdeckt

«Red Earth» ist ein Werk zwischen aufwühlendem Pop und melodiösem Songwriting. Somit ist Oribasi ihren Wurzeln treu geblieben, ist ihr Sound doch organisch und nostalgisch, der natürliche Instrumente mit von Menschenhand geschaffenen Texturen vermischt. Die Lieder würden alle auch unplugged funktionieren, allein mit Gitarre und Stimme. «Wenn ein Song akustisch geil tönt, wird er mit der Produktion nur noch geiler. Wenn nicht, fehlt ihm das Grundgerüst», findet die Musikerin aus Fribourg.

Lisa Oribasi

«Ich war grosser Beyoncé-Fan und sang ihr alles nach»

Die RnB-Töne würden aus ihrer Jugend stammen. «Ich war grosser Beyoncé-Fan und sang ihr alles nach.» Aber auch Indie, Urban-Hiphop und World-Music machen ihren Stil aus. Dass sie «viel verschiedenes Zeugs» hört, widerspiegelt sich in ihrer Musik. «Ich singe aus dem Herzen heraus», sagt Oribasi. Das sei das A und O, um diesen Gänsehauteffekt zu erzeugen. Ihre EP wird sie zusätzlich rein instrumental herausbringen. «So können sich die Zuhörenden ihre eigene Geschichte dazu bilden.»

Versprechen ans innere Kind

Obwohl sich Lisa Oribasi nun erstmals richtig aus dem Hintergrund ins Rampenlicht traut, schliesst sie weitere Kooperationen mit anderen Künstlern nicht aus. «Wenn zwei Personen ihre Energie in eine Idee investieren, können schöne Dinge entstehen.» Weiter sei es motivierend, mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, zumal sie grundsätzlich allein für sich in ihrem Studio sitze. Eine Songwriting-Fabrik wolle sie aber nicht werden. «Es ist ein magischer Moment, wenn ein Song entsteht. Diese Magie könnte ich wohl nicht beibehalten, wenn ich täglich für andere Songs schreiben würde.»

Ausserdem braucht sie auch Zeit, um all ihren Projekten – Oribasi unterrichtet Gesangs-, Songwriting- und Heilmusik und gibt seit kurzem Mond-Yoga-Stunden – nachgehen zu können. An erster Stelle stehe aber immer die eigene Musik. «Das habe ich meinem inneren Kind versprochen», so die Künstlerin. Deshalb sei ihre Debüt-EP so herzerwärmend. «Erstmals konnte ich voll und ganz zu meinem Wort stehen.»

Nicht zu schade für Strassenmusik

Lisa Oribasi trifft man auch schweizweit in den Gassen, unter anderem in Winterthur, wo sie als Strassenmusikerin unterwegs ist. Gäbe es keine Polizei noch viel öfters. «Sie macht es uns nicht einfach», bedauert die Fribourgerin. Während hier Lose darüber entscheiden würden, wer in der Altstadt Musik machen dürfe, müsse man andernorts vorsingen. Die Polizei entscheide dann, wer gut genug sei. «In vielen Städten sind auch nach wie vor keine Verstärker erlaubt, sodass dich kaum jemand hört.»

Aufhalten lässt sich Oribasi davon aber nicht. Strassenmusik sei für die Seele, sagt sie. «Ich schulde niemandem etwas und niemand schuldet mir etwas.» Dieses Glück, einfach rausgehen und singen zu können, sei nicht in Worten beschreibbar. «Das muss jeder einmal selbst erlebt haben.»

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