Publiziert 21. Aug. 2022, 07:00
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Künstler Stelios Stylianou

Ein Winterthurer mit antiker Kunst im Blut

Der Winterthurer Künstler Stelios Stylianou hat mit «Antike und Modernismus» sein zweites Buch veröffentlicht. Es konzentriert sich auf seine Bronze-Skulpturen aus den Jahren 2019 bis 2021. Und somit auch auf seine Heimat Zypern.

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Ramona Kobe
Der Winterthurer Künstler Stelios Stylianou hat ein neues Buch zu seinen Bronze-Skulpturen herausgebracht.

Der Winterthurer Künstler Stelios Stylianou hat ein neues Buch zu seinen Bronze-Skulpturen herausgebracht.
Ramona Kobe

Ihm wurde die antike Kunst in die Wiege gelegt. Schon als Kind zeichnete und malte Stelios Stylianou in seiner Heimat Zypern; Kunstschaffenden, die das Landgut seiner Eltern in Nikosia besuchten, um Menschen, Tiere und Pflanzen zu zeichnen, blickte er jeweils über die Schultern. Seiner Leidenschaft ist er bis heute treu geblieben und kehrte vor einigen Jahren zu seinen Wurzeln zurück – nicht geographisch, sondern künstlerisch. Stylianou begann, mit dem Werkstoff Bronze zu arbeiten, womit er auf eine Kulturtechnik zurückgriff, die im 2. Jahrtausend v. Chr. in Zypern entwickelt wurde und der Insel den Namen gab. «Es war Zeit, etwas Neues auszuprobieren», erzählt der heute 74-Jährige.

Entstanden ist bis 2021 eine umfangreiche Serie von kleinformatigen Bronze-Skulpturen. Um sie anzufertigen, brauchte er ein zusätzliches Atelier. «Die Masse wird bis zu rund 1200 Grad heiss. Da ist das Wohnzimmer nicht der passende Ort», witzelt Stylianou. Fündig wurde er bei Anverwandten, die ihm nicht nur die Werkstatt zur Verfügung stellen, sondern auch eigene Zinn-Gegenstände opferten, die der Künstler einschmelzen und zu neuen Skulpturen giessen konnte.

366 Tage, 366 Bilder

Einen Teil davon zeigt er nun vom 13. bis 16. Oktober im Kongresshaus in Zürich. Dafür hat er ein Buch gedruckt mit den Werken der Jahre 2019 bis 2021, welches an der Art International Zurich aufliegen wird. Finanziert hat er «Antike und Modernismus» aus eigener Tasche, ohne Verlag. «Mit dem Buch will ich einem breiten Publikum zeigen, wie Bronze-Skulpturen heute eine Umgebung dekorieren können», sagt der Winterthurer. Die Texte darin stammen von seinem ehemaligen Hochschuldozenten Volker Schunck.

Es ist bereits das zweite Buch, das die beiden zusammen herausgeben. 2006 erschien «Das Journal der 366 Bilder» – ein künstlerischer Rückblick auf das Milleniumsjahr 2000. Für jeden der 366 Tage – es war ein Schaltjahr – hat Stylianou ein Bild gestaltet. Nicht etwa auf Papier, sondern am Computer. Eine Technik, die zu diesem Zeitpunkt nur die wenigsten beherrschten. «Ich habe versucht, die traditionellen Druckverfahren wie Radierung oder Lithografie digital zu simulieren», erinnert sich der Künstler.

Die Publikation steht im Zusammenhang mit der Art International Zurich, an der Stelios Stylianou seine Werke ausstellen wird.

Die Publikation steht im Zusammenhang mit der Art International Zurich, an der Stelios Stylianou seine Werke ausstellen wird.
zvg

Findet im Alltag Inspiration

Seine gesamte Kunst entstand in seiner Freizeit. «Ich wusste früh, dass ich von meinen Werken nicht leben kann», so Stylianou. Also machte er seine Leidenschaft nach seinem Studium in England und dem Umzug in die Schweiz 1980 zum Beruf und konstruierte fortan Schiffsmotoren für Ozeanriesen beim Wärtsilä Konzern in Winterthur, wo er seither lebt. Nach seiner Pensionierung entwickelte er Einspritzsysteme für Dieselmotoren. «Bei null zu beginnen und etwas Neues zu kreieren, war sehr spannend», erzählt der Zypriote, der im Moment selbst eine Kunstausstellung plant und nach wie vor jeden Tag in einem seiner beiden Ateliers anzutreffen ist.

«Überall», antwortet er auf die Frage, wo er nach all den Jahren neue Inspiration finde. «Meine Werke basieren auf Farben und Formen aus dem Alltag. Auch Baumstämme oder Wassertropfen haben mir schon als Vorlage gedient.» So stelle er sicher, niemanden zu kopieren. Parallelen zu anderen Künstlern würden dennoch immer bestehen. «Mir wurde schon gesagt, dass ich die Figuration von Picasso umspiele.» Der spanische Maler zählt nebst Hans Arp zu seinen Vorbildern. Aber: «Seine Farben gefallen mir nicht.» Er bevorzuge schlichtere Linien und weniger krasse Farbkombinationen – bei all seinen Werken. Auch bei seinen Bronzeskulpturen. Und seinem neuen Buch, das ebenfalls auf Einfachheit beruht.

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