Publiziert 07. Mai 2022, 10:00
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Comiczeichner Daniel Bosshart im Portrait

Durch «Asterix» die Vorliebe für Comics entdeckt

Zeichnen, kritzeln, malen: Daniel Bosshart hat sich als Comiczeichner einen Namen gemacht. Zusammen mit seinem Namensvetter Daniel Fehr hat er ein neues Buch veröffentlicht. Das Thema: die Entwicklung einer Stadt. Und Winterthur. Zumindest indirekt.

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Ramona Kobe
Daniel Bosshart ist in der hiesigen Comicszene kein Unbekannter. Mit seinen Werken hat er bereits verschiedene Preise gewonnen.

Daniel Bosshart ist in der hiesigen Comicszene kein Unbekannter. Mit seinen Werken hat er bereits verschiedene Preise gewonnen.
Ramona Kobe

«Ich wollte immer schon Geschichten erzählen», sagt Daniel Bosshart. «Als Filmemacher zum Beispiel. Doch das war mir zu aufwendig.» Geschichten erzählt er heute tatsächlich. Allerdings nicht mit Bewegtbildern, sondern mit Zeichnungen. Comics, um konkret zu sein. «Beim Zeichnen von Comics kann ich alles sein: Schauspieler, Regisseur und Kameramann. Das gefällt mir.»

In seinem neuesten Buch aber lag die Verantwortung für einmal nicht allein in seinen Händen. «Die Kartenmacherin» – ein Mix aus Comic, Bilder- und Wimmelbuch – ist zusammen mit dem Bilderbuch- und Spieleautor Daniel Fehr entstanden. Dieser hat die Geschichte geschrieben, Bosshart die Illustrationen gezeichnet. «Entdeckt hat er mich im ‹Coucou›», sagt Bosshart, der zweimal jährlich eine Comicseite im hiesigen Kulturmagazin erhält und gelegentlich Artikel illustriert. So auch «Der Traum von der Badewannenmoschee» von Sandra Biberstein. Das Thema: mögliche Ideen für das freiwerdende Polizeiareal beim Obertor. «Auch in der ‹Kartenmacherin› geht es um die Entwicklung einer Stadt», verrät der 51-Jährige. «Als die Kleinstadt Eilenburg einen zweiten Südbahnhof einweiht, wird klar, dass man keinen Überblick über die Stadt mehr hat. Eine Kartenmacherin soll es richten. Doch anstatt einem Überblick entsteht ein noch viel grösseres Durcheinander. Behördenirrsinn und Schildbürger inklusive.»

Die Geschichte sei reine Fiktion, macht Bosshart klar. Für seine Zeichnungen, an denen er rund eineinhalb Jahre arbeitete, musste er sich aber realen Vorlagen bedienen. So hat er sich für die deutsche Stadt Münster und Gebäude aus anderen Ortschaften entschieden. Sind auch Elemente aus der Eulachstadt vorhanden? Der gebürtige Wiesendanger schüttelt den Kopf. «Nein. Die Geschichte lässt sich aber auf viele Städte adaptieren. Auch auf Winterthur. Es geht um die schnelle Entwicklung von Stadtteilen, wie es auch hier teilweise der Fall ist.»

Zwischen Architekt und Comiczeichner

Bosshart zeichnet Comics, seit er 16 Jahre alt ist. Eine Sammelkollektion des Klassikers «Asterix» seines Vaters hat ihn inspiriert. «Ich kopierte Albert Uderzo so lange, bis ich meinen eigenen Stil fand.» Weil er schon als Teenie wusste, dass er als Comiczeichner finanziell nicht über die Runden kommen würde, entschied er sich für einen anderen Beruf. Einen, in dem er seine zeichnerischen Fähigkeiten dennoch ausleben konnte: Architekt. «Es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Tätigkeiten», erzählt Bosshart, der heute nach wie vor Teilzeit in einem Architekturbüro arbeitet. «Ich zeichne vom Grossen ins Kleine.» Bei den Comics macht er zuerst grobe Skizzen mit Bleistift. Die Linien zeichnet er anschliessend mit sogenannten Rotringstiften nach und koloriert die Elemente dann mit Tuschfarbe. Fehler macht er praktisch nie. Und wenn doch, kann er sie mit Deckfarben kaschieren. «Ich habe den Anspruch an mich selbst, im Moment konzentriert und sauber zu arbeiten.»

«Die Kartenmacherin» dreht sich um eine Stadt, die sich weiterentwickeln möchte, letztendlich aber im Chaos endet.

«Die Kartenmacherin» dreht sich um eine Stadt, die sich weiterentwickeln möchte, letztendlich aber im Chaos endet.
Daniel Bosshard

Normalerweise arbeitet Bosshart für sich. Doch auch vor Publikum hat er schon gezeichnet. Am 24 Stunden Comic zum Beispiel, der jährlich im Kulturzentrum Alte Kaserne stattfindet, dem «Epizentrum der hiesigen Comicszene». Eine ähnliche Situation erwartet ihn am kommenden Samstag, 14. Mai, im Gewerbemuseum, wo er die Ausstellung «Bilderbücher: illustriert & inszeniert» zusammen mit Sarah Gasser zeichnerisch kommentieren wird. Die Geschichte, die er live zeichnen möchte, hat er sich bereits im Kopf zurechtgelegt. Aus einem einfachen Grund: «Dann bin ich weniger nervös», gesteht der Winterthurer. Ausserdem müsse er sich dann keine Gedanken machen. «Das mag ich: Zeichnen, ohne zu überlegen.»

Grosses Engagement

Seit einigen Jahren engagiert sich Bosshart zudem für die Vermittlung der Comic-Kunst. So gründete er 2013 mit zehn weiteren Comic-Interessierten den Verein Comic Panel Winterthur, dem er als Präsident vorsteht. «Wir wollten eine Art Comic-Stammtisch ins Leben rufen», erklärt er die Idee. Sechsmal im Jahr würden sich im Comic Labor Comiczeichnerinnen und -zeichner zum gemeinsamen Zeichnen, Kritzeln und Netzwerken treffen. Dabei werde jedes Mal ein anderes Thema behandelt, Urheberrecht etwa oder Urban Sketching. «Dieser Austausch ist sehr bereichernd. Als junger Comiczeichner hat mir ein solcher Ort gefehlt.»

  • Auch auf dem Internationalen Comic-Salon ist Daniel Bosshart kein Unbekannter. Mit seinem Album «Geteilter Traum» gewann er im Jahr 2000 den Max-und-Moritz-Preis für die beste deutschsprachige Comic-Publikation. 2005 wurde Bosshart mit dem Förderpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet, 2010 mit dem Werkjahr der Stadt Zürich.

Weiter ist Bosshart – zusammen mit dem Verein Comic Panel Winterthur – derzeit Mitten in der Planung für einen Comic-Stadtrundgang, der analog oder digital besucht werden kann. Dieser, sowie auch «Die Kartenmacherin», seien aber nur Zwischenprojekte. Sein Hauptfokus liege auf einem Buchprojekt, woran er sein einigen Jahren arbeite. Verraten möchte er aber noch nichts. Fest steht: «Es wird ein Comic werden.»

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