Publiziert 17. Jan. 2022, 17:47
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Schweize Erstaufführung von «Linda»

«Das Stück passt einfach als Gesamtpaket zu uns»

Gleichberechtigung, Mobbing und Missbrauch: Mit diesen drei Themen setzt sich das Theaterstück «Linda» auseinander. Rüdiger Burbach vom Theater Kanton Zürich bringt es nach Winterthur.

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Talina Steinmetz
Das Stück «Linda» wird am 20. Januar zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz aufgeführt, nämlich im Theater Kanton Zürich in Winterthur.

Das Stück «Linda» wird am 20. Januar zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz aufgeführt, nämlich im Theater Kanton Zürich in Winterthur.
zvg

Das Theaterstück «Linda» setzt sich mit diversen, aber sehr aktuellen Themen auseinander – allen voran mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Geschrieben wurde das Stück von der britischen Autorin Penelope Skinner. Rüdiger Burbach, künstlerischer Leiter am Theater Kanton Zürich in Winterthur, ist ein Fan von Skinner und ihrem Stück «Linda», weshalb er sich diesem als Regisseur angenommen hat. Am 20. Januar findet nun die Schweizer Erstaufführung des britischen Schauspiels statt – und zwar im Theater Kanton Zürich in Winterthur.

Herr Burbach, wie haben sich Ihr Weg und jener von «Linda» gefunden?
Rüdiger Burbach: Ich pflege eine enge Verbindung zu jenem Verlag, in dem auch «Linda» veröffentlicht wurde. Die Autorin Penelope Skinner finde ich eine sehr spannende Persönlichkeit, ich habe schon fünf oder sechs ihrer Stücke gelesen. Mit «Linda» war zum ersten Mal eines dabei, dass sich gut im Theater Kanton Zürich spielen lässt, also hierhin passt.

Welche Kriterien sind ausschlaggebend?
Einerseits muss das Stück für uns spielbar sein. Wir können weder dutzende Schauspieler bezahlen, noch ein vierstündiges Theater vorführen. Andererseits müssen die Themen, die im Stück angesprochen werden, allgemeingültig sein und in die Schweiz passen. Sonst ergibt es keinen Sinn, das Stück hier zu spielen. Weiter achte ich darauf, dass der Inhalt aktuell und gesellschaftspolitisch relevant ist.

«Linda» erfüllt demnach Ihre Ansprüche.
Definitiv. Das Stück bietet acht gute Rollen für die Schauspielerinnen und Schauspieler – genau so viele, wie unserem Ensemble angehören. Mit Katharina von Bock habe ich die perfekte Besetzung für die Hauptrolle, eben Linda, gefunden. Zudem behandelt das Theaterstück sehr aktuelle Themen, darunter die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf verschiedenen Ebenen, aber auch Mobbing und Missbrauch. Es gefällt mir, solche Konflikte auf die Bühne zu bringen und so darauf aufmerksam zu machen. «Linda» ist zudem ein Stück, in dem mehr Schauspielerinnen als Schauspieler mitmachen. Das unterstreicht die Thematik zusätzlich, was mir sehr gefällt.

Wo liegt für Sie die Kernaussage des Stücks?
Dass sich zwar – wenn ich das als Mann sagen darf – schon einiges getan hat, was die Gleichberechtigung angeht, wir aber trotzdem noch einen weiten Weg vor uns haben. Nur weil es beispielsweise eine Bewegung wie «#MeToo» gab, dürfen wir uns nicht ausruhen. «Linda» soll ein Bewusstsein dafür schaffen und den Zuschauenden vor Augen führen, welche Bereiche noch immer patriarchalisch strukturiert sind. Diese Umstände werden zwar mit Humor aufgegriffen, was ihnen aber nicht die Wichtigkeit nimmt.

Welche Änderungen haben Sie gegenüber der Original-Fassung vorgenommen?
Das Stück wurde von einer englischen Autorin geschrieben und spielt in London. Letzteres ist stark herausgestochen. In meiner Version ist der Spielort zweitrangig – das Stück könnte in Winterthur spielen, aber auch in jeder anderen Stadt der Welt. Es ist mir wichtig, die Message an die Leute hier zu bringen; der Ort ist dabei zweitrangig. Natürlich mussten auch einige Stellen der Übersetzung angepasst werden. Alles in allem muss ich aber wirklich sagen, das Stück passt einfach als Gesamtpaket zu uns. Ich musste es nicht auf den Kopf stellen, um es passend zu machen.

Am 20. Januar findet die Premiere statt. Was steht noch an, sind Sie nervös?
Wir fügen in den Proben nach und nach alles zusammen: Schauspiel, Technik und Musik. Das ganze Stück wächst Tag für Tag. Und ja, die Nervosität gehört dazu. Bin ich nicht mehr nervös, bin ich vermutlich tot – oder müsste meinen Job an den Nagel hängen (lacht).

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