Publiziert 29. Nov. 2022, 15:34
8400

Zehn-Jahre-Jubiläum

Das «Coucou» ist in Feierlaune

111 Ausgaben in zehn Jahren: Das Winterthurer Kulturmagazin «Coucou» feiert seinen runden Geburtstag. Ans Aufhören denkt im Team vieler Ehrenamtlicher aber niemand. Im Gegenteil.

R
Ramona Kobe

«Winterthur ist tot. ‹Nein, so ein Quatsch!›, wirst du jetzt denken. Der Satz provoziert, weil er für viele nicht stimmt. Und doch könnte kein anderer Satz die allgemeine Stimmung in der Winterthurer Kulturszene treffender beschreiben. Viele jammern, es sei nichts los in der Stadt. Kulturveranstalter versuchen sich, mehr schlecht als recht, mit Fronarbeit, Tiefstlöhnen und unbezahlten Überstunden in der Administration über Wasser zu halten. Interessieren tut das nur wenige.»

Am 1. Dezember 2012 wies Redaktorin Sandra Biberstein in der allerersten Ausgabe des «Coucou»-Magazins auf die dürftige Finanzierung von Kulturinstitutionen hin – eine Thematik, die es nun auch in der Jubiläumsausgabe aufs Cover schaffen könnte. Die städtische Kulturförderung ist heute nicht weniger aktuell als zur Geburtsstunde. Nach zehn Jahren und 111 erschienen Ausgaben werden die monatlich über 50 erscheinenden Seiten, die mit Hintergrundberichten, Porträts, Kolumnen und Veranstaltungstipps über das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Winterthur informieren, nach wie vor grösstenteils ehrenamtlich produziert.

Aleks Sekanić

«Wir werden Jahr für Jahr professioneller»

Zwischen 50 und 60 Personen sind in der Entstehung einer Ausgabe involviert, wie Redaktorin Aleks Sekanić erzählt. Entlöhnt werden im Moment 110 Stellenprozente, aufgeteilt auf Redaktions- und Verlagsarbeit. «Aber wir werden Jahr für Jahr professioneller», freut sich die 26-Jährige, die seit Frühling 2020 zum Kernteam gehört. Dieses hofft, möglichst bald alle Beteiligten zu entschädigen. Dafür bräuchte es aber strukturelle Unterstützung in Form von Subventionen, sagt Sekanić, denn: «Mit den Abos erreichen wir nur bedingt viele Leute. Das ist uns aber bewusst, schliesslich beschränken wir uns auf eine Stadt.» Und trotzdem: «Seit diesem Jahr haben wir 1000 Abonnentinnen und Abonnenten. Das ist ein grosser Meilenstein!»

Geburtstagsfest mit Preisverleihung

Von Kooperationspartnern werde der Verein «Kulturmagazin für Winterthur» mittlerweile als professionell wahrgenommen, fährt die Redaktorin fort. Das hat seinen Grund. In den letzten Jahren hat das «Coucou» die hiesige Kultur nicht nur einem breiten Publikum vermittelt und zugänglich gemacht, sondern auch eigene Projekte auf die Beine gestellt. So fand etwa 2016 erstmals eine Kunstausstellung unter dem Namen «#coucoukunst» mitten auf dem Musikfestwochen-Gelände statt. Was als Pilotprojekt begann, ist nun fester Bestandteil des Winterthurer Festivals. «Wenn viele kreative Köpfe zusammenkommen, entstehen viele kreativen Ideen», sagt Sekanić. «Wir verstehen uns nicht nur als Magazin, sondern auch als Plattform für lokale Kunst- und Kulturschaffende.»

  • «10 Jahre Coucou» mit Ausstellung, Lesungen, Konzerten und der Preisverleihung der «Goldenen Federn» findet am Freitag, 2. Dezember, im Salzhaus statt. Türöffnung ist um 19 Uhr. Eintritt: «Pay what you can.»

Fünf davon ehrt das «Coucou» seit 2018 alle zwei Jahre mit einer «Goldenen Feder». Der Kulturpreis geht an Personen, die in Winterthur ein Projekt mit viel Leidenschaft, Engagement und Herzblut verfolgen. Dieses Jahr werden die Gewinnerinnen und Gewinner aus den fünf Kategorien an der Jubiläumsparty am kommenden Freitag, 2. Dezember, im Salzhaus gekürt. «Wir freuen uns, zudem unseren runden Geburtstag gemeinsam mit vielen Menschen zu feiern, die uns auf unserem Weg begleitet haben», so Sekanić. «Da viele ‹Coucou›-Mitwirkende selbstständig arbeiten, kommt es sehr selten vor, dass wir als grössere Gruppe zusammenkommen. Diesen Freitag ist es nun endlich wieder so weit.»

Fokus bleibt auf Printprodukt

Das Team ist in den zehn Jahren, die es das «Coucou» nun schon gibt, stetig gewachsen. Vom Gründungsteam sind nur noch Vorstandsmitglieder Jigme Garne und Melanie Staub sowie Redaktorin Sandra Biberstein übrig. Letztere wird von aussen immer noch als Kopf des Kulturmagazins wahrgenommen. Das soll sich ändern. «Innerhalb der Redaktion teilen wir die Arbeit auf», erzählt Aleks Sekanić. «Wir sind gerade dabei, professionelle Strukturen zu schaffen, sodass auch gegen aussen sichtbar werden kann, dass nicht eine Person für alles verantwortlich ist, sondern dass die Arbeit von vielen Schultern getragen wird.»

Erste Ausgabe vs. aktuellste Ausgabe: Seit Ende 2020 kommt das Design auffälliger daher.

Erste Ausgabe vs. aktuellste Ausgabe: Seit Ende 2020 kommt das Design auffälliger daher.
zvg

Verändert hat sich auch das Design des Magazins. Seit Ende 2020 kommt es auffälliger daher: Die Deckblattoberfläche ist rauer, die Bilder grösser. Es fällt auf, dass die Ressourcen primär ins Printprodukt fliessen. Bewusst, wie Sekanić sagt. «Das Magazin liegt uns am Herzen. Es ist schön, etwas in den Händen zu halten, anzuschauen und zu archivieren.» Auch in den kommenden Jahren wolle man daran festhalten und entgegen dem Trend nicht die Online-Schiene fahren. Ob eines Tages nicht die Themen ausgehen, um monatlich 50 Seiten zu füllen? Die Redaktorin schüttelt den Kopf. «Winterthur ist nicht starr, sondern entwickelt sich laufend weiter. Diese Veränderung wollen wir dokumentieren, weshalb es uns auch in Zukunft braucht.»

Das könnte Sie auch interessieren