Publiziert 09. Sep. 2022, 07:00
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Winterthurer Sprach-Wimmelbuch

Das Buch der 1100 Strassen

Beat Glogger hat aus den 1100 Strassen Winterthurs ein Sprach-Wimmelbuch gemacht. Dieses habe es aber in sich, wie der Wissenschaftsjournalist verrät.

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Ramona Kobe
Albert Einstein zu Besuch auf dem Kesselhausplatz in Winterthur. Hier reist er durch die Zeitgeschichte und erlebt wilde Abenteuer.

Albert Einstein zu Besuch auf dem Kesselhausplatz in Winterthur. Hier reist er durch die Zeitgeschichte und erlebt wilde Abenteuer.
Fotomontage: zvg

Alle 1100 Strassennamen Winterthurs in einer Geschichte zu vereinen. Von dieser Idee ging Beat Glogger für sein neues Buch aus. Als wäre diese Aufgabe nicht schwierig genug, hat sich der Wissenschaftsjournalist zusätzliche Regeln aufgestellt: Alle Substantive sind Strassennamen, in jedem Satz muss mindestens eine Strasse vorkommen − auch zu Verben, Adverbien oder Adjektiven umformuliert ist erlaubt − und die Namen echter Personen dürfen nur in der Rolle erscheinen, die sie historisch hatten. Das heisst: Albert Einstein bleibt theoretischer Physiker und Alfred Büchi hat tatsächlich den Turbolader erfunden.

Lautes lesen hilft

Entstanden ist am Ende «Kurli Einstein und das Konrad» − eine Art Winterthurer Strassennamen-Saga, in der Einstein durch die Zeitgeschichte reist und wilde Abenteuer in Winterthur erlebt. Glogger beschreibt seine neuste Publikation, die ab dem 12. September in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich ist, auch als Sprach-Wimmelbuch. Denn: «Wenn im ersten Moment nicht ganz klar ist, in was für einer neuen Bedeutung ich einen Strassennamen verwende, hilft lautes Lesen», rät der Autor. Eine Kostprobe wird er am kommenden Samstag, 10. September, am Festakt des Stadtpräsidenten zum Jubiläum der Eingemeindung geben. Während der Lesung läuft im Hintergrund eine Präsentation mit den Strassennamen synchron zum gesprochenen Wort.

Dass sein Buch genau dann erscheint, wenn 100 Jahre Grossstadt Winterthur gefeiert wird, sei zwar Zufall, aber es treffe sich gut. «Aus Blödsinn habe ich vor ein paar Jahren ein Testkapitel geschrieben», erzählt Glogger. Dieses habe er 2019 an einem Anlass vorgelesen und dabei gemerkt: Die Geschichte kommt an. «Alle haben gelacht», zeigt sich der Winterthurer nach wie vor begeistert. «Also habe ich das Projekt während der Corona-Zeit weiterverfolgt und nun fertiggestellt.»

Ein Ratespiel für Winti-Fans

Eigentlich habe nicht er die Geschichte erfunden, Sagt Glogger. Er habe das Strassenverzeichnis durchgeschaut und dabei habe sich die Geschichte schnell assoziativ ergeben. So steht «Tobel» für «Tubel», «Etzwiler» ist die Mundartversion von «jetzt will er». «Ich habe probiert, mich so oft wie möglich von den ursprünglichen Bedeutungen zu lösen und zu spüren, was ein Wort mit mir macht», erzählt Glogger.

Weiter habe er versucht, möglichst viele Strassennamen in Verben umzuformen, um überhaupt Sätze bilden zu können. Zum Teil müsse man die Strassen anders betonen, um den Sinn des Satzes zu verstehen. «Wenn sich die Leute zuerst den Kopf zerbrechen, beim wiederholten Mal Lesen aber plötzlich checken, was ich meine, habe ich mein Ziel erreicht und alles richtig gemacht. So wird das Buch zum Ratespiel für Winterthur-Fans.»

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