Publiziert 24. Sep. 2022, 07:00
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Costa Rica als Abschluss

Aus einer Bierlaune heraus auf Strassenmusiker-Reise

Der Winterthurer Sandro Bachmann und der Luzerner Tim Hensel tingeln als Oatsband durch Europa und leben ihr grösstes Hobby in vollen Zügen aus.

G
George Stutz
Tim Hensel (l.) und der Winterthurer Sandro Bachmann machen Stimmung beim Tate Modern in London.

Tim Hensel (l.) und der Winterthurer Sandro Bachmann machen Stimmung beim Tate Modern in London.
zvg

Seit einigen Wochen lebt der Winterthurer Sandro Bachmann zusammen mit seinem Luzerner Musikkollegen Tim Hensel den Traum eines (temporären) Strassenmusikerdaseins. Die musikalische Reise führte die beiden bisher via Brighton, London, Birmingham und Liverpool nach Irland, wo sie Plätze und Parks in Dublin, Cork und Galway mit ihren Coversongs im Indie-, Folk- und Popbereich, aber auch einem eigenen Song bespielten. Zurzeit tingeln der 27-jährige Winterthurer und der 25-jährige Innerschweizer durch Deutschland, wo sie ihr vollbepacktes Auto zuletzt in Hamburg und aktuell in Berlin möglichst auf einem Gratisparkplatz abstellen.

Vom Trinkgeld zum Lohn

Denn, vor allem zu Beginn der Tour lebten die beiden teils von Erspartem, wie Sandro Bachmann erzählt: «Die ersten Wochen haben wir eher Trinkgelder eingenommen. Dies hat sich jedoch – sobald wir ein bisschen eingespielt waren – schnell verbessert. Mittlerweile können wir davon leben, sind jedoch darauf angewiesen, in günstigen Airbnbs, Hostels oder im schlimmsten Fall im Zelt zu übernachten.»

Doch, wie kommen ein Absolvent der höheren Fachprüfung für Finanzplaner (Hensel) und einer im Besitz eines Bachelor in Betriebswirtschaft dazu, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen? Sandro Bachmann lacht: «Kennengelernt hatten wir uns einst in Luzern, wo ich 2016 studierte und über ein Online-Musikportal einen neuen Musikkollegen gesucht hatte. Etwas später hatten wir kurz ein gemeinsames Bandprojekt und merkten, dass es passen könnte. Zwischendurch hatten wir aber längere Zeit keinen Kontakt mehr.»

Vor zwei Jahren gingen sie aber wieder einmal zusammen ein Bier trinken und beschlossen, gemeinsam Urlaub in Kroatien zu verbringen. «Die Idee für das Projekt Strassenmusik entstand dort aus einer Bierlaune heraus. Wir wollten für ein halbes Jahr unser grösstes Hobby Musik zum Beruf machen, mit einer grossen Reise verbinden und diese so zu finanzieren. Als im Frühling diesen Jahres auch Tim sein Studium abgeschlossen hatte, haben wir die Chance gepackt, haben mit ‹Oatsband› in der Eile noch einen Bandnamen kreiert und sind im Juli aufgebrochen», erzählt Sandro Bachmann.

Jeder Anfang in den Städten ist schwer

Die eigentliche Schwierigkeit in ihrem Musikerleben sei, jeweils in einer neuen Stadt herauszufinden, ob Verstärker erlaubt sind, wo sie spielen dürfen und eben, wo sie übernachten können, meint Bachmann: «Sobald wir uns in einer Stadt eingelebt haben und die Bestimmungen kennen, sieht unser Alltag so aus, dass wir am Morgen ein bisschen Sightseeing betreiben und am Nachmittag unser erstes Set auf der Strasse spielen. Danach gehen wir meist was essen, laufen nochmals durch die Stadt und spielen gegen Abend unser zweites Set.»

Die Leute zum Mitsingen oder Mittanzen zu bewegen, aber auch spontane Einladungen an ein Geburtstags- und ein Flüchtlingsfest zu erhalten – Sandro Bachmann und Tim Hensel geniessen ihr temporäres Projekt in vollen Zügen. Bis Ende November wird die Oatsband noch nach Portugal und Spanien weiterreisen, dann gehts nach Übersee, freut sich Bachmann: «In Costa Rica lassen wir unser Abenteuer mit einem Surf- und Tauchkurs ausklingen. Gut möglich, dass wir danach ab und zu weiterhin auf der Strasse Musik machen werden und weshalb nicht auch mal in der Winterthurer Altstadt?»

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