Publiziert 11. Aug. 2022, 07:51
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Kollektiv aus Winterthur

Am Rande der Konvention, im Zentrum der Stadt

Das Winterthurer Kollektiv «verusse.music» hat seine Nische gefunden. Die grösste Herausforderung des Partylabels bei der Gründung: aus menschlichen Fähigkeiten langfristige Ressourcen zu schaffen.

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Das Kollektiv (v. l.) bestehend aus Manuel Weber, Andreas Graf, Ismail Abdullahi, Manish Joos, Tatjana Jäger und Sam Jost.

Das Kollektiv (v. l.) bestehend aus Manuel Weber, Andreas Graf, Ismail Abdullahi, Manish Joos, Tatjana Jäger und Sam Jost.
Simon Kaspar

Wer in den Markt einsteigen will, muss eine Lücke finden – so auch in der elektronischen Musikszene. Und genau das taten drei junge Winterthurer, als sie zusammen das Partylabel «verusse.» gründeten. Was 2017 als «underground» Label begann und sich meist unter dem Radar staatlicher Institutionen und dem Wissen der übrigen Bevölkerung abspielte, hat sich heute in einer Nische der Winterthurer Musikkultur etabliert.

Denn obwohl es in Winterthur ein aktives Nachtleben gibt, spielt sich vieles davon im Schatten von Zürich ab. «Für ein diverseres Angebot pendelte manch einer in die Nachbarsstadt, wodurch die Winterthurer Technokultur zu fragmentieren drohte», so Sam Jost, einer der Gründerväter. Was fehlte war ein Partylabel, das fern von Kommerz und den Massen zur Attraktivität der Stadt beitragen kann und eine Plattform für lokale Künstler bietet. Und eben dort hat sich «verusse.» einen Platz am Tisch ergattert.

Das Team als wichtigste Ressource

Doch um die Idee eines alternativen Labels in die Tat umzusetzen und für bestehende Veranstaltungsformate konkurrenzfähig zu sein, reicht Überzeugung allein nicht aus. «Die grösste Herausforderung für unkommerzielle Projekte dieser Branche liegt darin, aus menschlichen Fähigkeiten langfristige Ressourcen zu schaffen, die es ermöglichen, eine kontinuierliche Entwicklung zum einzigen Profit des Publikums anzustreben», meint Manish Joos.

«Warum wir tun, was wir tun»

Seit der Gründung ist nicht nur die Zielgruppe gewachsen, sondern auch das Kollektiv. Inzwischen stehen hinter «verusse.» sechs Persönlichkeiten, die verschiedener nicht sein könnten. «Gemeinsam teilen wir eine klare Zielsetzung und stehen dafür ein, dass der Zugang zu qualitativer Musik erschwinglich und jede Veranstaltung einzigartig bleibt», so Manuel Weber. Um dies zu erreichen und weiterhin unkommerziell zu bleiben, sei eine gewisse Risikobereitschaft erforderlich, die oftmals einer Gratwanderung zwischen Ambition und Utopie gleicht, fügt Andreas Graf hinzu, der ebenfalls zum Gründungstrio zählt. Doch er betont, dass eben dieser Balanceakt entscheidend für die meisten Erfolge war, die das Label zu verbuchen hat.

Was möglich ist, wenn Gleichgesinnte an einem Strang ziehen, hat unter anderem das zweitägige Festival am Reitplatz in Töss gezeigt, welches 2019 in Kollaboration mit dem Label «Friede Freude Freitag» entstanden ist. Dabei sind sich alle einig, dass der Blick in die Gesichter der Gäste immer wieder Bestätigung genug ist, dass sich das Label auf dem richtigen Weg befindet.

Von Tatjana Jäger

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