Publiziert 24. Juni 2022, 11:55
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Schutz vor Anschlägen mit Fahrzeugen

Stadtpolizei testet am Albanifest ihre neuen Schutzsysteme

«Indutainer», «Citysafe» und «Oktablock». Das sind die drei neuen Systeme, mit denen die Stadtpolizei Winterthur Grossanlässe vor Anschlägen mit Fahrzeugen schützt. Die verschiedenen Elemente ermöglichen der Polizei die im Innenstadtbereich nötige Flexibilität.

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Michael Hotz
Die neuen Schutzsysteme, um Veranstaltungen vor Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen, kommen am Albanifest zum ersten Mal zum Einsatz.

Die neuen Schutzsysteme, um Veranstaltungen vor Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen, kommen am Albanifest zum ersten Mal zum Einsatz.
Michael Hotz

Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo Anfang 2015 und den Anschlägen in Paris im darauffolgenden November setzte die terroristische Vereinigung «Islamischer Staat» in Europa Fahrzeuge als Waffen gegen Menschenmassen ein – etwa 2016 in Nizza und beim Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Daraufhin stufte der Nachrichtendienst des Bundes die Gefährdungslage auch für die Schweiz als erhöht ein. Diese Einschätzung gilt bis heute unverändert.

Gut 250’000 Franken für neue Systeme

Aus diesem Grund schützt die Stadtpolizei Winterthur seit einigen Jahren die Zufahrten zu hiesigen Grossanlässen. Am diesjährigen Albanifest kommen nun erstmals die neuen Schutzsysteme zum Einsatz. Der Stadtrat hatte bereits 2018 einen Kredit von von 267’000 Franken gesprochen, damit sich die Stadtpolizei die neuen Systeme beschaffen konnte.  Bisher schützten vom Strasseninspektorat angemietete «Jersey-Betonelemente» Winterthurer Veranstaltungen. «Diese Lösung war relativ teuer und die Schutzwirkung begrenzt», führt Stapo-Sprecher Michael Wirz aus. Darum habe man sich nun neue Schutzsysteme angeschafft.

Zum Einsatz kommen gleich drei neue Systeme. Eines davon sind die sogenannten «Indutainer». Zwei mobile Wassertanks ergeben zusammen ein Element. Die Behälter sind je 1,5 Tonnen schwer. Mit ihrem Gewicht sollen sie anbrausende Fahrzeuge aufhalten. Dazu kommen die Poller-Systeme «Citysafe» und «Oktablock». Ersteres ist ein Element, das aus drei aneinander gereihten, gut einen Meter hohen Pollern besteht. «Oktablock» ist ein einzelner Poller auf einer achteckigen Grundplatte. Beide Systeme funktionieren so, dass die Poller nach einem Fahrzeugaufprall nach vorne kippen, wobei sich das Element zwischen Fahrzeug und Strasse verkeilt.

Schützen, aber Fluchtwege offenhalten

Die technischen Anforderungen an Fahrzeugsperren, die im Innenstadtbereich eingesetzt werden, sind hoch. Die Sperren müssen auf engem Raum Tatfahrzeuge stoppen und manövrierunfähig machen. Darum setzt die Stadtpolizei gleich auf drei Schutzsysteme, wie David Hatt, Abteilungsleiter Projekte, ausführt: «Mit einem Verbund an verschiedenen Systemen lassen sich Veranstaltungen in städtischen Verhältnissen am besten und kostengünstigsten schützen.» Eine gewisse Flexibilität in der Auswahl der Schutzsysteme ist auch deshalb wichtig, weil die Stadtpolizei vor einem gewissen Dilemma steht: Die Zufahrtsstrassen müssen geschützt werden, ohne dass dadurch Fluchtwege und Rettungsachsen unnötig behindert werden.

«Indutainer», «Citysafe» und «Oktablock» kommen am Albanifest zum ersten Mal zum Einsatz, weil viele Grossanlässe in letzter Zeit aufgrund der Pandemie ausgefallen sind. Künftig werden die Schutzsysteme an allen grossen Veranstaltungen in Winterthur zu sehen sein.

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